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05.04.2017 10:45

China: Zinserträge verlieren an Bedeutung

BEIJING (Dow Jones)--Die chinesischen Banken haben im vergangenen Jahr zaghaft eine Kehrtwende bei der Gewinnentwicklung eingeleitet. Die in den letzten Tagen vorgelegten Zahlenwerke für 2016 zeigen aber auch, dass die Bedeutung der Zinsüberschüsse für die chinesischen Institute abnimmt. Erstmals seit der globalen Finanzkrise 2008 haben die großen Banken im Vergleich zum Vorjahr weniger mit Zinsen verdient. Auf der Jagd nach Renditen sind sie zu riskanteren Investments bereit. Jedoch schränken die Regulatoren diese Möglichkeiten ein.

Die Industrial & Commercial Bank of China (ICBC), die nach Bilanzsumme weltweit größte Bank, hat ihren Gewinn 2016 - ähnlich wie im Vorjahr - nur leicht um 0,4% auf 278,2 Mrd Yuan (CPY; rund 37,6 Mrd EUR) gesteigert. Das zweitgrößte Geldinstitut des Landes, die China Construction Bank, erzielte ein Gewinnplus von 1,5%, nachdem sich das Ergebnis 2015 nur um 0,1% verbessert hatte. Bei der Agricultural Bank of China (AgBank) stand ein Gewinnanstieg von 1,8% zu Buche, nach 0,6% im Vorjahr.

Die höheren Gewinne täuschen über die Schwierigkeiten der Geldhäuser hinweg. Sie sind verwundbar durch die Eindämmung der Marktliquidität, die sich die People´s Bank of China auf die Fahnen geschrieben hat. Denn dadurch steigen ihre Refinanzierungskosten. Und die chinesischen Unternehmen, einst große Kreditnehmer, haben mit hohen Schulden, einer schwächeren Nachfrage und Kapitalkontrollen, die die Expansion ins Ausland erschweren, zu kämpfen.

Die Misere zeigt sich in den klar rückläufigen Zinsüberschüssen. Letztes Jahr brach dieser bei der ICBC um 7,1% ein, sowohl die Construction Bank als auch die AgBank mussten einen Rückgang von jeweils 8,7% verkraften. Die Banken haben einst 90% ihrer Erträge mit Zinsen erzielt, jetzt liegt der Anteil bei rund 70% - Tendenz fallend.

Die Erträge aus anderen Quellen können diesen Rückgang nicht auffangen. Um ihre Profitabilität zu erhöhen, haben die Institute in großem Maße faule Kredite über Bord geworfen und ihre Risikovorsorge reduziert. Noch vor drei Jahren haben sie Vorsorgen gebildet, die zwei bis drei Mal so hoch waren wie die ausfallgefährdeten Kredite, was deutlich über dem geforderten Minimum von 150% lag. Viele haben ihre Anteile in den letzten Jahren drastisch heruntergefahren. Die ICBC hat letztes Jahr die Vorschrift gebrochen, indem sie nur 136,7% des fraglichen Kreditvolumens vorhielt. Die Construction Bank und die Bank of Communications, das sechstgrößte Institut, hielten sich nur knapp über dem Minimum. Die drei größten Banken haben letztes Jahr zusammengenommen 190,5 Mrd CPY an faulen Krediten abgeschrieben und aus der Bilanz genommen. 2015 waren es 136,5 Mrd.

Um zu wachsen, setzen die Geldhäuser auf höhere Provisionseinnahmen sowie undurchsichtige Hochrisikoinvestments. Nach Angaben der Zentralbank hielten die chinesischen Institute zum Jahresende solche außerbilanziellen Investments im Volumen von 3,8 Bill USD, 30% mehr als ein Jahr zuvor. Die Regulatoren warnen, dass diese Investitionen Risiken für das Finanzsystem darstellen könnten. Die erhöhte Aufmerksamkeit der Regulierungsbehörden für diese "Schattenbanken"-Produkte dürfte die Suche der Institute nach Ertragsquellen weiter eindämmen. "Die Bankenwirtschaft steht angesichts der grundlegenden Veränderungen des Umfelds vor großen Herausforderungen", teilte die Construction Bank mit. Dow Jones

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