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19.04.2017 10:00

Powerhouse für Biotech-Medikamente

SUZHOU (Dow Jones)--Immer mehr Pharmakonzerne bündeln ihre Kräfte mit chinesischen Start-ups, um neue Krebstherapien zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Ein inzwischen von Eli Lilly lizenziertes neues Krebsmittel wurde von einem sechs Jahre alten Jungunternehmen am Stadtrand von Shanghai entdeckt. Gewonnen wird es aus Eierstockzellen chinesischer Hamster. Lilly will das Medikament nun an Amerikanern testen. Der Konkurrent Merck & Co will in diesem Jahr in den USA ein weiteres Krebsmedikament testen, das von einem anderen Start-up nahe der Grenze zu Hongkong entwickelt wurde.

China, lange Zeit Weltlieferant billiger pharmazeutischer Inhaltsstoffe und nachgemachter Pillen, entwickelt sich zu einem wichtigen Hersteller neuer Arzneien: biotechnologisch hergestellter Medikamente. Gemessen an der Zahl klinischer Studien mit Präparaten, die mit biologischen Materialien wie etwa Tierzellen oder Bakterien hergestellt wurden, rangiert das Land inzwischen an zweiter Stelle hinter den USA, wie Daten der amerikanischen Gesundheitsbehörde National Institutes of Health (NIH) zeigen. Das blieb auch den größten Pharmakonzernen der Welt nicht verborgen.

Merck sandte Manager nach China, um zahlreiche chinesische Jungunternehmen abzuklappern und richtete 2015 ein Innovationszentrum in Shanghai ein. Johnson & Johnson hatte bereits 2014 ein ähnliches Zentrum in der Hafenstadt eingerichtet, um wissenschaftliche Durchbrüche in China zu erkennen. In den vergangenen zwei Jahren haben Lilly, Merck, Tesaro und Incyte milliardenschwere Verträge unterschrieben, um in China entdeckte Biotech-Medikamente im Ausland zu verkaufen.

Die Zusammenarbeit beflügelt Chinas Ambitionen, eine Geschichte von Skandalen hinter sich zu lassen, wie etwa 2008, als nach der Behandlung mit in China hergestellten, verunreinigten Chargen des Blutverdünners Heparin allein in den USA dutzende Menschen starben. Heute arbeitet China daran, seinen schlechten Ruf bei der Qualität zu überwinden und zu einem Innovator und globalen Produzenten komplexer Produkte zu werden.

Wird sich China "über Nacht verwandeln? Die Antwort ist definitiv nein", sagte Olivier Charmeil, Leiter für Schwellenmärkte bei Sanofi. Aber "wenn eine Richtung gegeben ist, dann ist klar, dass Dinge geschehen werden", fügte er hinzu und verwies auf die Ressource, die China zur Qualitätssteigerung einsetzt.

Anders sieht es freilich noch bei chemisch produzierten Medikamenten aus: die in China hergestellten Inhaltsstoffe für solche Medikamente fallen immer mal wieder durch die Kontrollen der US-Behörden. Im vergangenen Jahr untersagte die US-Gesundheitsbehörde FDA die Einfuhr von Inhaltsstoffen eines chinesischen Lieferanten, der Sanofi, Pfizer und Novartis zu seinen Kunden zählt.

Biologisch hergestellte Medikamente unterscheiden sich von chemischen Arzneien und haben die Behandlung von Krankheiten einschließlich Krebs und Diabetes revolutioniert. Jahrzehntelang wurden sie von westlichen Pharmakonzernen in ihren eigenen Laboren entwickelt und sind hochprofitabel - acht der zehn weltweit umsatzstärksten Medikamente sind laut Daten der Beratungsgesellschaft Frost & Sullivan Biotechs. Aber jedes dieser Medikamente kostet in der Entwicklung mehr als 1 Mrd USD und es dauert laut dem Branchenverband Pharmaceutical Research and Manufacturers of America oft mehr als zehn Jahre, ehe es auf den Markt kommt.

Weil sie nach einer Reihe teurer Fehlschläge und wegen des schrumpfenden Pools von patentgeschützten Biotech-Mitteln unter Druck stehen, wenden sich globale Pharmahersteller zunehmend nach außen, um neue Durchbrüche zu finden.

Und hier kommt China ins Spiel. Im Rahmen eines Vorstoßes zur Transformierung der heimischen Pharmaindustrie hat Beijing chinesische Pharmaunternehmen mit Geld und Anreizen überhäuft. Ein Programm lockte chinesische Wissenschaftler, die im Ausland arbeiteten, zurück nach Hause. Milliarden von Dollar wurden in Technologieparks für Biotech-Start-ups gesteckt und die Genehmigungsverfahren für neue Biotech-Entdeckungen beschleunigt.

Die meisten chinesischen Jungunternehmen begannen damit, Kopien oder abgewandelte Versionen bestehender Biotech-Medikamente herzustellen. Aber einige steigen auch in das riskantere Geschäft der Entwicklung von biologischen Präparaten ein, die bislang noch nicht an Menschen getestet wurden.

Innovent Biologics, das sechs Jahre alte Start-up bei Shanghai, schloss 2015 den bislang größten Deal eines chinesischen Pharmaunternehmens ab, als Lilly ihm 56 Mio USD für die Mitentwicklung von drei Krebsmedikamenten bezahlte. Darunter waren zwei, die Innovent entdeckt hatte. Sollten die Medikamente ihre Ziele erreichen, dürfte Innovent in den kommenden zehn Jahren mehr als 1,4 Mrd USD verdienen.

Klinische Studien, bei denen ein Medikament in drei Phasen an hunderten Patienten getestet wird, können sich in den USA über mehr als zehn Jahre hinziehen. Und erst wenn sie vielversprechende Ergebnisse vorweisen können, können die Unternehmen sich bei den Behörden um eine Genehmigung bemühen. Mit einer Zulassung in den USA ist es für die Unternehmen einfacher, ihre Produkte auch in mehreren anderen Ländern zu verkaufen, ohne zuvor in jedem Markt separate Test durchführen zu müssen. China dagegen verlangt eigene Tests, auch wenn die klinischen Studien dort laut der Beratungsfirma ChinaBio in Shanghai üblicherweise kürzer sind und weniger Patienten dafür rekrutiert werden müssen als in den USA.

Natürlich will nicht jeder chinesische Entdeckungen lizenzieren. Amgen zum Beispiel oder Medimmune, der Biotech-Arm von Astrazeneca, haben Joint Ventures mit lokalen Unternehmen gegründet, um ihre eigenen Entdeckungen nach China zu bringen. Pfizer baut ein Werk, um Generika von Biotech-Medikamenten in China zu verkaufen.

Dennoch hat Chinas Biotech-Boom Wagniskapitalgeber angelockt. Das trug dazu bei, dass im vergangenen Jahr die Rekordsumme von 5,3 Mrd USD in den Life-Sciences-Sektor des Landes investiert wurden, das sind laut ChinaBio fast zehn Mal so viel wie noch vor fünf Jahren.

Lilly gründete 2008 eine Venture-Capital-Tochter für Asien, seitdem sind die Investitionen des Konzerns in Höhe von 500 Mio USD fast vollständig in chinesische Start-ups geflossen. "Vor zehn Jahren war China noch nicht mal auf dem Radar", sagte Judith Li, Partnerin bei dem Fonds. "Heute kann man es unmöglich ignorieren." Dow Jones

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