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07.06.2017 10:15

Nintendo muss um Switch-Komponenten ringen

TOKIO (Dow Jones)--Nintendo führt seinen größten Kampf dieser Tage nicht gegen andere Spielehersteller. Es gehe gegen Unternehmen wie Apple, die dieselben Bauteile benötigen wie der Konzern für seine Konsole Switch, sagen Brancheninsider. Nintendo habe seinen Lieferanten und Auftragsfertigern mitgeteilt, im laufenden Geschäftsjahr 2017/18 per Ende März knapp 20 Mio Konsolen herstellen zu wollen, sagten mit den Gesprächen vertraute Personen. Das offizielle Verkaufsziel liegt bei 10 Mio. Aber die starke Nachfrage signalisiert ein weitaus größeres Absatzpotenzial, wenn die Geräte denn hergestellt werden können.

Das Problem ist ein branchenweiter Kapazitätsengpass bei Komponenten für Smartphones, Server und andere digitale Geräte. Es handelt sich bei diesen Komponenten etwa um NAND-Flash-Speicherchips, Flüssigkristall-Displays und kleine Motoren, die die Controller der Switch vibrieren lassen. "Die Nachfrage nach unserem Speicher ist wesentlich größer als das Angebot und daran wird sich voraussichtlich bis Jahresende nichts ändern", sagte eine Sprecherin von Toshiba. Sie verwies auf die Nachfrage von Smartphone-Herstellern - Apple und chinesische Firmen zählen zu den Kunden - und Datenzentren.

Branchenvertreter sagen, dass die rapide Expansion webbasierter Dienste für Unternehmenskunden die Nachfrage nach Computerservern, die mit Flash-Speicher arbeiten, massiv antreibt. Die anhaltende Nachfrage nach dem iPhone 7 und die voraussichtliche Vorstellung eines neuen Modells in diesem Jahr lassen die Komponentenhersteller unter Vollauslastung arbeiten. Das hilft der japanischen Wirtschaft, die derzeit die längste Wachstumsphase seit 2006 erlebt. Vertreter von Nintendo und Apple wollten sich zum Thema Lieferkette nicht äußern. Die Schwierigkeiten mit Komponenten deuten darauf hin, dass die Switch, eine sowohl für den Gebrauch zu Hause als auch für unterwegs konzipierte Konsole, für die Kunden auch weiterhin nur schwer erhältlich sein wird.

Im Wettbewerb um Bauteile können die anderen oftmals bessere Konditionen erzielen. Die Hersteller von Servern für Datenzentren nutzen in der Regel neuere und höhermargige Komponenten, während Smartphone-Hersteller größere Orders platzieren. Sollte Nintendo deutlich mehr Geld ausgeben, um sich mehr Bauteile zu sichern, riskiert der Konzern damit, dass die Produktionskosten der Switch den Verkaufspreis von 299 USD übersteigen. Unternehmenschef Tatsumi Kimishima hatte gesagt, er wolle die Konsole nicht mit Verlust verkaufen.

Nintendo hat bereits einen teuren Schritt unternommen, um den ersten Verkaufsschwung kurz nach Markteinführung nicht zu gefährden. So wurden einige Geräte im März per Luftfracht nach Europa und in die USA befördert.

Normalerweise könnte das Unternehmen den Spätsommer nutzen, um zusätzliche Geräte per Schiff in die USA zu verfrachten, um für das wichtige Weihnachtsgeschäft genügend Konsolen vorhalten zu können. Das sieht nach Angaben informierter Personen aber derzeit schwierig aus. Nintendo könnte dann wieder erwägen, zum Jahresende auf Luftfracht zurückzugreifen.

Die am 3. März gestartete Switch wurde bis Ende des Monats März 2,74 Mio Mal verkauft, wie der Konzern im April mitgeteilt hatte. Nach dem Misserfolg mit der Vorgänger-Konsole Wii U, die insgesamt nur 14 Mio Mal über die Ladentheken ging, ist Nintendo mit der Switch wieder obenauf. Einige Familien kaufen sogar mehrere Einheiten und verwenden die Switch mehr wie ein Smartphone als eine Konsole fürs Wohnzimmer, weil sie eben mobil ist.

Ihre Familie besitze drei Switches, sagte Yukiko Amakawa, eine 36jährige Hausfrau aus Fukuoka. Eine gehöre ihr selbst, eine habe ihr Mann zum Zeitvertreib in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit, und eine dritte gehöre den Kindern, einem 6jährigen Jungen und einem 3 Jahre alten Mädchen. "Ich will nicht, dass irgendjemand meine Spielstände anfasst", sagte sie. "Während meine Kinder Mario Kart am Fernseher spielen, spiele ich etwas anderes auf dem tragbaren Bildschirm der Switch."

Hirokazu Hamamura, Direktor bei der Kadokawa Dwango, die das Videospielemagazin Famitsu verlegt, erwartet weiter steigende Verkaufszahlen für die Switch, sobald externe Softwarehersteller Spiele für das Gerät bereitstellen. Capcom zum Beispiel will ein Spiel aus der Reihe "Monster Hunter" für die Switch veröffentlichen. Dow Jones

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