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28.06.2017 10:55

Gerät die chinesische Schuldenbekämpfung außer Kontrolle?

BEIJING (Dow Jones)--China rüstet sich für seinen alle fünf Jahre stattfindenden Kongress, auf dem die nächste Führungsriege der Kommunistischen Partei auserkoren wird. Davor kann doch an den Märkten nichts passieren, oder?

Weit gefehlt: Der Winter 2016 und das Frühjahr 2017 waren bereits so volatil wie noch nie. Das galt insbesondere für den Anleihemarkt, an dem die Renditen hinaufschossen. Aber auch der Aktienmarkt kam angesichts massiver regulatorischer Beschränkungen bei Krediten im April und Mai unter die Räder. Die jüngsten Opfer sind die Top-Auslandsinvestoren Anbang, HNA, Fosun und Wanda, deren flächendeckende Kreditaufnahme bei Chinas Banken jetzt intensiv überprüft wird.

Bereits im Januar war klar, dass die sich verbessernde Wirtschaftslage - gerade auch auf dem Arbeitsmarkt - den Machthabern eine lang erhoffte Bewegungsfreiheit verschaffen könnte. Beijing bietet sich jetzt für kurze Zeit eine Gelegenheit, um die ausufernden Risiken im Finanzsektor noch anzupacken, bevor ab dem Herbst nach dem Parteikongress große politische Schachzüge zu riskant wären.

Doch womöglich schließt sich das Fenster gerade auch wieder. Obwohl die Volkswirtschaft weiterhin relativ robust ist, beinhalten die Daten vom April und Mai klare Signale, dass das Wachstum zyklisch bereits einen Höchststand markiert hat. Das abflauende Gewinnwachstum der Industriebetriebe, das im April auf 14 nach nahezu 24% im März zurückging, dürfte den Arbeitsmarkt unter Druck setzen. Doch eben eine geringe Arbeitslosigkeit ist der Schlüssel zu politischer Stabilität, die die kommunistischen Machthaber vor ihrem Parteikongress über alles zu schätzen wissen.

Obwohl manche Umfragen ein rosigeres Bild malen, zeigen Chinas offizielle Einkaufsmanager-Indizes, dass der Arbeitsmarkt in der jüngsten Zeit wieder in den Krebsgang umgeschaltet hat. Das nicht-verarbeitende Gewerbe, zu dem auch die Bauwirtschaft zählt, erlebte seinen Höhepunkt im November, während das verarbeitende Gewerbe im März seine stärkste Zeit hatte. Schlechtere Finanzierungsbedingungen könnten diesen Trend noch beschleunigen. Nachdem die realen Finanzierungskosten für die Konzerne seit 2015 kontinuierlich nachließen, schnellten sie im 2. Quartal wohl wieder nach oben.

Erste Warnzeichen für eine Wachstumsverlangsamung der Wirtschaft und insbesondere des Arbeitsmarktes kündigen womöglich davon, dass der Druck durch Präsident Xi Jingping und andere Top-Politiker auf den überschuldeten Finanzsektor bald nachlässt. Doch das mag auch trügerisch sein.

Regulatorischer Druck kann ein Eigenleben entfalten. Das ist auch mit ein Grund dafür, dass im April die Märkte so stark schwankten. Verschiedene Regulierer wollten der Regierungsspitze zeigen, dass sie Xis Appell Ernst nehmen, die Finanzrisiken anzupacken. Der Börsencrash 2015 war ein klassisches Beispiel für zu wenig energisches Handeln zu einem zu späten Zeitpunkt.

Letztlich könnten Chinas Regulierer vielleicht doch noch bei der zu hohen Verschuldung etwas erreichen. Das könnte gerade zum richtigen Zeitpunkt kommen, um die Stunde der Abrechnung abermals zu verschieben. Aber für die Politik ist das eine sehr trickreiche Angelegenheit und die Folgen eines Scheiterns wären in der Tat kolossal. Dow Jones

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