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12.07.2017 10:45

Warum Hongkong um seine Bedeutung kämpfen muss

HONGKONG (Dow Jones)--So ändern sich die Zeiten: Als China 1997 wieder das Sagen über Hongkong zurückerlangte, kamen die beiden größten Aktienmärkte des Festlands - Shanghai und Shenzhen - zusammen auf eine Marktkapitalisierung von nicht mehr als 196 Mrd USD. Das war nicht mehr als der gemeinsame Wert der sechs größten Titel an Hongkongs Börse. 20 Jahre später hat sich das Bild komplett gewandelt. An beiden chinesischen Festlandsbörsen sind Unternehmen im Wert von insgesamt 7,5 Bill USD notiert. Damit haben sie die doppelte Größe des Aktienmarkts von Hongkong.

Doch Chinas Aufstieg war nicht nur schlecht für die ehemalige Kronkolonie. Noch bis vor kurzem wurden globale Investoren von den Festlandsmärkten weitgehend ausgeschlossen. Insofern hatte Hongkong jahrzehntelang den Vorteil, Anlegern als Möglichkeit zu dienen, eben doch in Chinas Wachstum zu investieren. Dieser Tage machen Firmen vom Festland mehr als 60% von Hongkongs Marktkapitalisierung aus. Fast alle Neunotierungen stammen von Firmen aus dem Reich der Mitte.

Doch in dem Maße, in dem sich die Festlandsmärkte öffnen, könnten Investoren die schnellen Profite schon abgegrast haben. Der Entscheid des Indexbetreibers MSCI, Chinas A-Aktien künftig mit in seine Benchmarks aufzunehmen, bedeutet, dass die Firmen demnächst nicht mehr extra eine Notierung in Hongkong anstreben müssen, um Auslandsgelder erhalten zu können. Die Versuchung für Hongkong besteht jetzt darin, sich mehr in Richtung Festland zu bewegen. Das birgt das Risiko, letztlich nur wie eine weitere chinesische Stadt auszusehen. Die Anziehungskraft des Reiches der Mitte ist nämlich nur allzu stark und sichtbar. Selbst die wilde Art zu handeln, ist auf Hongkong übergeschwappt, das eigentlich als deutlich rationalerer Markt galt. Durch die Eröffnung von Handelsverbindungen nach Shanghai und Shenzhen kommen immer mehr Händler aus dem Norden in die Sonderverwaltungszone.

Allerdings sollte Hongkong besonders auf Gebieten wie Regulierung und Transparenz keine Zugeständnisse in Richtung Beijing machen. Eine ganze Reihe von Skandalen lässt solche Ängste aufkeimen. So stürzte China Huishan Dairy an einem Tag um 85% ab, obwohl es seit langem Berichte gab, wonach die vorigen Kursgewinne auf gehebelte Zukäufe des Firmen-Chairman zurückgegangen waren. Zuletzt verbilligten sich mehrere kleine Titel rasant, die über ein Netz von Überkreuzbeteiligungen miteinander verknüpft sind. Vor dem Besuch von Präsident Xi Jinping in Hongkong war das eine gehörige Blamage für den Börsenchef der ehemaligen Kronkolonie.

In dem Maße, in dem sich Chinas Finanzmärkte weiter öffnen, muss Hongkong um seine Relevanz kämpfen. Ein Mittel: Der Finanzplatz könnte sich als der chinesische Markt mit den höchsten Standards für gute Unternehmensführung und Investorenschutz positionieren. Dabei helfen der Rechtsstaat in Hongkong sowie die freien Kapital- und Informationsflüsse, die unbedingt verteidigt werden sollten. Wenn die Stadt an eben diesem Kurs festhält, dürfte sie auch noch am 30. Jahrestag der Machtübergabe einiges zu feiern haben. Dow Jones

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