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19.07.2017 10:25

Warum Amazon der BoJ Kopfzerbrechen bereitet

TOKIO (Dow Jones)--Japans Notenbanker haben ein neues, bis dato unbekanntes Problem: Amazon. Eigentlich stehen alle Ampeln auf Grün für eine stabile Inflation, auf die Japan schon so lange wartet. Doch anstatt ihre Preise zu erhöhen, senken Einzelhändler diese oder halten sie zumindest stabil. Der Grund dafür ist der Wettbewerbs- und Preisdruck durch den Onlinehändler Amazon.

Mit der Denkweise der japanischen Notenbank vertraute Personen gehen davon aus, dass die Bank of Japan (BoJ) ihre Inflationsprognose bei ihrer Ratssitzung am heutigen Donnerstag als Reaktion darauf senken wird. Zugleich wird die BoJ voraussichtlich an ihrer aktuellen Geldpolitik festhalten und ihren Konjunkturausblick erhöhen. Die Wirtschaft befindet sich gegenwärtig in der längsten Aufschwungphase seit elf Jahren.

Japans Geldpolitiker stehen nicht allein da mit dem Problem der ausbleibenden Reaktion der Preise auf anziehendes Wirtschaftswachstum. Auch in den USA und Europa fragen sich Politiker, Volkswirte und Zentralbanker, warum die Inflation kaum vom Fleck kommt, obwohl die Wirtschaft wächst.

Wie Insider sagen, nennen BoJ-Gouverneure nun neben anderen Faktoren erstmals auch E-Commerce als Ursache für die niedrige Inflation. Nach Aussage von Aeon, einer der größten Einzelhändler Japans, sorgen Onlinehändler für einen immer schärferen Wettbewerb. Aeon sah sich angesichts preisbewusster Verbraucher im April dazu gezwungen, die Preise für mehr als 250 Artikel aus seinem Sortiment zu senken - und plant für nächsten Monat eine neue Senkungsrunde.

"Das Ende der Deflation war eine große Illusion", sagte Aeon-Präsident Motoya Okada im April und verwies zur Begründung auf die Kampfpreise der Onlinehändler, die es dem Land unmöglich machen würden, nach 20 Jahren erodierender Preise endlich wieder zu Inflation zurückzukehren.

In Japan macht E-Commerce zwar immer noch weniger als 6% der Einzelhandelsumsätze aus, der Einfluss auf die Preisgestaltung dürfte jedoch weitaus größer sein - nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die im Onlinehandel generierten Umsätze jährlich um 8 bis 10% zunehmen, während die Einzelhandelsumsätze insgesamt mehr oder weniger stagnieren.

Im vergangenen Jahr war Japan der drittgrößte Markt für Amazon nach den USA und Deutschland. Fast 11 Mrd USD setzte der Onlineriese dort um.

Während Verbraucher niedrigere Preise zu schätzen wissen, sorgen sich BoJ und andere Zentralbanken seit geraumer Zeit darum, dass eine Spirale fallender Preise niedrigere Investitionen und geringes Lohnwachstum nach sich ziehen könnte. In der Vergangenheit hatte die BoJ in erster Linie den Verfall der Ölpreise dafür verantwortlich gemacht, dass sie ihr Inflationsziel von 2% verfehlt hat. Die Ölpreise haben sich zuletzt zwar stabilisiert, die Kerninflationsrate betrug im Mai aber dennoch gerade mal 0,4%.

Um eine Erklärung bemüht, verweisen BoJ-Gouverneure auf die Schwierigkeit, die Erwartungshaltung japanischer Verbraucher mit Blick auf die künftige Preisentwicklung zu ändern. Und Amazon trage dazu bei, die Kunden in ihrer Erwartung, dass die Preise nicht steigen werden, zu bestärken, sagte eine Person aus dem Umfeld der BoJ. Dow Jones

www.maerkte-weltweit.de

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