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26.07.2017 10:35

Beijing investiert über 100 Mrd USD in die Chipfertigung

BEIJING (Dow Jones)--Schon heute kommen die meisten Elektronikgeräte aus China. Jetzt will das Land diese Produkte auch mit Chips aus eigener Fertigung ausrüsten. Doch die Herstellung ist deutlich komplizierter als das Zusammensetzen etwa von Smartphones. Allerdings zeigt die Erfahrung aus Dutzenden anderen Branchen: Es ist nicht weise, gegen Chinas Fähigkeit anzuspekulieren, einen Industriezweig auf den Kopf zu stellen.

Das Reich der Mitte will innerhalb der kommenden zehn Jahre bis zu 108 Mrd USD in den Bereich investieren. China verbraucht derzeit fast die Hälfte der weltweiten Chipproduktion und baut diese zumeist in Elektronikgeräte ein, die exportiert werden. Selbst fertigt das Land nur 10%, ergibt sich aus Zahlen von Gartner.

Das empfindet Beijing zunehmend als nationale Bedrohung. Deswegen macht die Regierung den Aufbau einer eigenen Wertschöpfungskette bei Halbleitern zur nationalen Kraftanstrengung. Die Machthaber geben den Herstellern schon jetzt reichlich Kapital. So erhielt etwa die staatseigene Tsinghua Unigroup im März 22 Mrd USD von einer Staatsbank und einem von der Regierung getragenen Fonds. An mindestens 20 Fabriken baut China derzeit, berichtet der Branchenverband SEMI.

Trotz der großzügigen Finanzierungen wird es noch ein paar Jahre dauern, bis Chips in großen Mengen auf den Markt kommen. Selbst dann wird das Reich der Mitte es nicht einfach haben, den Vorsprung der weltbesten Hersteller wettzumachen. Auf den beiden Gebieten, wo Beijing am meisten investiert - Fabrikation und Speicherchips -, haben Weltmarktführer wie Samsung und TSMC die Nase ganz klar vorn. Zudem investieren diese Konzerne selbst kräftig, um ihre Pole-Position nicht zu verlieren. Ihr Vorsprung verleiht ihnen auch Kostenvorteile, was vielleicht dazu führt, dass die Konkurrenz aus China trotz Unterstützung vom Staat einfach nur Geld verbrennt.

Zunächst versuchte Beijing eine einheimische Chipindustrie eher zusammenzukaufen, als selbst aufzubauen. Heimische Konzerne kündigten 2015 rekordhohe Zukäufe für 43 Mrd USD in der Halbleiterbranche an. Doch davon kamen laut Dealogic nur Akquisitionen in Höhe von 5,2 Mrd USD letztlich unter Dach und Fach. Die Transaktionen scheiterten vor allem an den US-Regulierern.

Zu den Fehlschlägen zählte Tsinhuas Griff nach dem Speicherchip-Produzenten Micron für 23 Mrd USD und der gescheiterte Versuch der Staatsfirma China Resources, für 2,5 Mrd Fairchild Semiconductors aufzukaufen. Die Zukaufaktivitäten in der ersten Jahreshälfte summierten sich nur noch auf 1,6 Mrd USD - ein Rückgang um 81% im Vorjahresvergleich.

Doch auf einem Gebiet könnten Chinas Hersteller tatsächlich Erfolg haben: bei Geräten, die nur mittelmäßig leistungsstarke Chips benötigen. Konzerne wie Huawei, Oppo und Vivo fertigen allesamt Billiggeräte, die auf dem heimischen Markt und auf anderen Schwellenmärkten sehr beliebt sind. Alle drei Marken zusammen kamen bereits auf fast die Hälfte des Absatzes, während die Platzhirsche Apple und Samsung Boden verlieren.

Die chinesischen Hersteller sollten in großem Umfang Chips aus dem Heimatmarkt ordern, sofern wenigstens Mindeststandards eingehalten werden. Kleinere Auslands-produzenten, die nicht über die Kostenvorteile der ganz Großen der Branche verfügen, könnten dann von der Flut an Billigchips fortgeschwemmt werden. Mögliche Leidtragende wären UMC und Nanya aus Taiwan oder auch SK Hynix aus Südkorea. Beijings Großoffensive wird vielleicht nicht die Champions aus dem Sattel heben, aber möglicherweise die 2. Reihe ausdünnen. Dow Jones

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