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13.09.2017 10:05

Indien: Eine Wette auf die Zukunft

Erste Erfolge der Reformpolitik / Von Corinne Abrams und Debiprasad Nayak

MUMBAI (Dow Jones)--Indische Aktien und die Währung des Landes haben sich in den vergangenen sechs Monaten besser entwickelt als die meisten großen Volkswirtschaften der Welt. Die relativ große wirtschaftliche und politische Stabilität des Landes haben Indien unter den Schwellenländern zu einem sicheren Hafen gemacht. Die starke Position der Regierungspartei Bharatiya Janata, die guten Wirtschaftsdaten, ein reformbereiter Premierminister und die demographische Dividende, die dank der jungen Bevölkerung winkt, machen Indien zu einem attraktiven Anlageziel, sagen Investoren.

Noch vor vier Jahren hatte Morgan Stanley Indien neben Brasilien, Indonesien, Südafrika und der Türkei aufgrund der Schwäche der Währung und der wirtschaftlichen Fundamentaldaten zu den "fragilen Fünf" gezählt. Die indische Rupie ist in diesem Jahr zum US-Dollar um 6% gestiegen, und der S&P BSE Sensex Index notiert 20% im Plus. Nur die chinesische Währung steigt schneller als die Rupie, und der Hang-Seng-Index aus Hongkong könnte ein größeres Plus als der Sensex verbuchen.

Die Weltbank hat vorhergesagt, dass das Wachstum Indiens von geschätzten 6,8% in diesem Jahr auf 7,2% im kommenden Jahr steigen wird. Andere Schwellenländer wie Russland und Brasilien hatten 2016 mit negativem Wachstum zu kämpfen, und China wächst immer langsamer. Indien ist zudem weniger von Exporten abhängig als die meisten anderen großen Volkswirtschaften. Der Ausblick ist also positiv, obwohl das Land zuletzt einige Rückschläge hinnehmen musste. Premierminister Narendra Modi nahm vergangenes Jahr 86% des Bargelds aus dem Umlauf, um gegen Korruption und Steuerhinterziehung vorzugehen. Kurzfristig hat das dem Wirtschaftswachstum geschadet: Durch den Mangel an Bargeld und die Verwirrung um eine Steuer auf Waren und Dienstleistungen gaben die Inder eine Weile einfach weniger Geld aus.

27 Mrd USD binnen eines Jahres angelockt

Einige Analysten sagen überdies, dass indische Aktien inzwischen recht teuer sind. Die Papiere im Leitindex Sensex notieren bei einem Kursgewinnverhältnis von 23 (gemessen an den erwarteten Gewinnen), dem höchsten KGV seit 17 Jahren. Indische Aktien und Anleihen lockten in den zwölf Monaten bis August unter dem Strich dennoch 27 Mrd USD von ausländischen Investoren an. Einige Optimisten hoffen, dass der Subkontinent tatsächlich aus dem Schatten Chinas tritt. Die langfristige Entwicklung des Aktienmarkts spricht dafür: Der BSE Sensex ist in den letzten fünf Jahren um über 80% gestiegen, der chinesische Shanghai Composite nur um 66, der brasilianische Bovespa um weniger als 30 - und der russische Leitindex RTS ist sogar gefallen.

Modis Strategien, um die Steuerhinterziehung zu bekämpfen, zahlen sich jetzt aus. Die direkten Steuereinnahmen sind im Zeitraum von April bis Juli im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19,1% auf 1,9 Bill Rupien (24,8 Mrd EUR) gestiegen. Die langerwartete Mehrwertsteuer, die ab diesem Jahr gilt, dürfte ebenfalls für mehr Wachstum sorgen. Der Markt preist die Erwartung ein, dass Modis Regierung weitere Reformen durchsetzen und die Wahlen 2019 gewinnen kann. "Das würde wiederum zu mehr Reformen und einer stärkeren Wirtschaft führen", sagt David Cornell, Investmentchef bei Ocean Dial. Die Firma verwaltet in Indien 550 Mio USD.

Optimisten sagen, dass indische Aktien zwar gerade teuer sein mögen. Betrachte man sie als langfristige Wette auf die junge Bevölkerung des Landes, die auf Jahrzehnte immer mehr konsumieren und die Unternehmensgewinne steigern wird, seien sie wiederum attraktiv. Ein Markteinbruch zeigte vor kurzem, wie Indien zum Zufluchtsort für Investoren geworden ist. Als Anleger im August Kapital aus Schwellenmarktfonds abzogen, litten Indien-Fonds darunter nicht besonders, zeigen Daten von EPFR Global. In den drei Wochen ab dem 2. August flossen über 20 Mrd USD aus China-Fonds ab, während 14 Mrd USD in Indien-Fonds flossen. "Im Vergleich zu Brasilien oder Russland ist Indien eine fundamentale Turnaround-Story", sagt Stefan Grünwald, Fixed-Income-Experte bei Raiffeisen Bank International. Dow Jones

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