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27.09.2017 10:25

China: Lockerung der Joint-Venture-Regeln käme Tesla zugute

Volksrepublik ist der zweitgrößte Markt für den Autobauer / Internetriese Tencent soll vermitteln

SHANGHAI (Dow Jones)--Tesla träumt seit Langem davon, in China Fuß zu fassen. Doch im Moment ist das Unternehmen der einzige nennenswerte Autobauer, der offiziell keine Pläne hat, dort Elektroautos zu bauen.

Das könnte sich bald ändern. In den vergangenen Wochen haben chinesische Beamte angedeutet, dass man die Regeln lockern könnte, laut denen landesfremde Autobauer einen heimischen Partner brauchen, sagen mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Zwar spricht man davon schon lang, doch US-Präsident Donald Trumps Androhung, chinesische Handelspraktiken zu untersuchen, könnte die Diskussionen beschleunigt haben, sagen die Informanten. Laut Vorschlägen, die auch Vertretern der Autobranche vorliegen, dürften ausländische Unternehmen bald ohne chinesischen Partner in bestimmten Freihandelszonen Elektroautos bauen. Werden diese Autos in China verkauft, werden trotzdem Importzölle fällig, heißt es. Bloomberg hatte zuvor von den Plänen berichtet.

Gao Feng, Sprecher des chinesischen Handelsministeriums, wollte sich dazu nicht äußern, als ihn der staatliche Fernsehsender CCTV darauf ansprach. Die Regierung werde in Zukunft Hürden für ausländische Unternehmen abbauen, die in Elektromobilität investieren wollen, sagte er jedoch. Die Joint-Venture-Regeln erwähnte er nicht.

Branchenbeobachter sagen, dass eine solche Regeländerung kein großes Geschenk von China sei, solange die Importzölle in Höhe von 25% gelten. Vergangenes Jahr erlaubte China ausländischen Batterieherstellern, in Freihandelszonen ohne Partner Niederlassungen aufzubauen. Für Tesla könnte diese Entwicklung dennoch bedeutend sein. Analysten sagen, dass Tesla zum Schutz der eigenen Technologien ungern einen Partner mit ins Boot holen will.

Der Druck auf den Autobauer aus dem Silicon Valley wächst. General Motors, Volkswagen, Ford und viele andere Wettbewerber mit etablierten Betrieben in China haben vor Kurzem Pläne verkündet, ihre E-Auto-Produktion dort auszuweiten. Die chinesische Regierung plant aktuell, traditionelle Benzin- und Dieselfahrzeuge mittelfristig abzuschaffen.

Tesla hatte im Juni angekündigt, mit den chinesischen Behörden über den Bau einer Fabrik in Schanghai zu verhandeln. Das Unternehmen hoffe, in diesem Jahr noch offizielle Pläne zu verkünden. Kürzlich hieß es von Tesla, dass man darüber hinaus nichts zu sagen habe.

Analysten glauben, dass der Konzern Produktionspläne für China aufschiebe, weil das Unternehmen hoffe, die Regierung werde die Joint-Venture-Regeln lockern. Der Plan, die Produktion in Freihandelszonen zu erlauben, sei eher eine kosmetische Veränderung, sagt Jing Yang von Fitch Ratings. Unternehmen, die in diesen Zonen produzieren, müssten mit großer Wahrscheinlichkeit Steuern in Höhe von 25% zahlen und könnten auch nicht von den E-Auto-Subventionen der Regierung profitieren, sagt Yang.

All das könnte für Tesla jedoch nebensächlich sein. Die Luxusmarke genießt in China viel Ansehen. Trotz der Zölle verkaufte die Marke 2016 in China rund 11.000 Autos im Wert von über 1 Mrd USD. China war nach den USA damit der zweitgrößte Markt für Tesla.

Das Marktpotenzial stellt jedoch selbst diese Zahl in den Schatten. Beijing will, dass bis 2025 etwa 7 Mio E-Autos verkauft werden, bis 2030 15 Mio.

Andere ausländische Autobauer umgehen die Sorge um ihre Technologien, indem sie in China einfache E-Autos ohne besonders moderne Technologien bauen. GM zum Beispiel hat gerade sein erstes reines E-Auto für den chinesischen Markt vorgestellt. Der Baojun E100 kostet 5.300 USD, der deutlich teurere Chevrolet Bolt aus dem Hause GM ist in China nicht zu haben.

Tesla stellt jedoch keine günstigen Fahrzeuge her. Selbst das 35.000 USD teure Model 3 wäre eines der kostenintensivsten E-Modelle in China.

Dennoch spricht Musk schon seit mindestens 2015 davon, eine Fabrik in Beijing zu bauen. Zuletzt hat er China im April besucht, um sich mit Regierungsvertretern zu unterhalten.

Im März gewann er einen mächtigen Freund: Der chinesische Internetriese Tencent hat für 1,8 Mrd USD 5% an Tesla gekauft und könnte jetzt dabei behilflich sein, zwischen dem Autobauer und der Regierung zu vermitteln.

Ein Vertreter eines ausländischen Autobauers warnt, dass Beamte schon seit Monaten über die Reform sprechen. Bis jetzt sei noch kein konkreter Plan auf dem Tisch. Und selbst nach einer solchen Regeländerung würden Autobauer, die bereits Joint Ventures in China gegründet haben, diese nicht aufgeben. Sie hätten bereits viel Zeit und Geld in diese investiert. Dow Jones

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