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21.03.2018 10:35

Frischer Wind in der chinesischen Notenbank

Neuer Chef kündigt Reformen an / Von Lingling Wei und Nathaniel Taplin

BEIJING (Dow Jones)--China hat einen neuen Notenbank-Chef: Der bisherige Vize Yi Gang übernimmt den Posten von Zhou Xiaochuan. Die Investoren sollten jubeln, dass sich ein in den USA ausgebildeter Wirtschaftswissenschaftler und ein Verfechter marktwirtschaftlicher Reformen die Position an der Spitze gesichert hat. Und er startet auch gleich durch: Kurz nach seiner Ernennung zum Gouverneur der People's Bank of China kündigte Yi eine "Reihe von Reformen und Öffnungsmaßnahmen" in den nächsten drei Wochen an.

"Sie werden sehen", sagte er zu Reportern, nachdem er seinen Eid abgelegt hatte, ohne aber ins Detail zu gehen. Wie Insider sagen, arbeitet Beijing zurzeit an einem Plan, um die Beteiligung ausländischer Unternehmen am Finanzsektor zu erhöhen. Es werde erwartet, dass Präsident Xi Jinping diesen Plan beim Boao-Forum ankündigt, einem jährlichen Treffen politischer, wirtschaftlicher und akademischer Führungspersönlichkeiten der Welt, das im April auf der Insel Hainan stattfindet.

Leicht wird es in keinem Fall: Chinas Finanzsystem zu reformieren und damit einen weiteren Schritt in Richtung eines frei handelbaren Yuan zu unternehmen, erfordert echte Staatsreformen. Diese Chancen bestehen eher nicht unter der Regierung Xis. Die Zentralbank hat viele Talente in ihren Reihen. Was sie aber nicht hat, ist die politische Schlagkraft, um wirkliche Veränderungen zu erzwingen, wenn es um das anhaltende Moral-Hazard-Problem geht.

Die Regierung hat im Rahmen ihres Top-Down-Prinzips bei den Schuldenproblemen des Landes durchaus Erfolge erzielt. Einige Fabriken wurden geschlossen und mehrere risikoreiche Kreditprogramme verboten. Die Zentralbank, auch wenn sie nicht völlig unabhängig ist wie ihre westlichen Kollegen, spielte dabei eine Schlüsselrolle: Sie drückte die Interbankenzinsen im vergangenen Jahr nach oben und bewirkte, dass bei der Anleihenblase Luft abgelassen werden konnte. Die Anreize, die letztlich zu einem Anstieg fauler Kredite und zur zunehmenden Komplexität des Finanzsystems geführt haben, bestehen aber nach wie vor.

Obwohl die chinesischen Einlagen- und Kreditzinsen in der Theorie vollständig liberalisiert sind, verzerrt der Staatseinfluss das inländische Bankwesen weiter auf subtile wie kraftvolle Weise. Für die Sparer ist es immer noch am sichersten, wenn sie ihr Geld bei den größten staatlichen Banken lassen. Kleine und mittelgroße Häuser haben derweil Schwierigkeiten, Einlagen anzuziehen, obwohl sie einen Großteil der eigentlichen Kreditvergabe übernehmen, insbesondere an den privaten Sektor.

Die fragile Finanzierung und eine Menge renditeschwacher staatlicher Vermögenswerte, die ein hohes Volumen niedrig verzinster Einlagen der Sparer im Inland erfordern, lassen die Aussichten auf einen frei gehandelten Yuan eher problematisch aussehen. Chinas Finanzsystem - so wie es im Moment aufgebaut ist - kann hohen Mittelabflüssen nicht standhalten. Eine reformorientierte Rhetorik kann vielleicht die Stimmung aufhellen, aber für eine wirkliche Veränderung der Kapitalbilanzsteuerung ist die Lösung tiefgreifender Probleme im eigenen Land nötig. Dow Jones

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