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21.03.2018 10:40

Chinesische Internetriesen nehmen es mit der Autoindustrie auf

SHANGHAI (Dow Jones)--Die chinesischen Tech-Riesen Baidu, Alibaba und Tencent haben längst den Online-Handel, mobile Zahlungen und Social Media erobert. Jetzt wollen sie auch am Automarkt mit von der Partie sein. Gerade stecken sie Millionen von Dollar in Elektroauto-Start-ups, Carsharing-Anbieter und Online-Händler und arbeiten an Software-Plattformen für fahrerlose Autos.

Auch amerikanische Technologiefirmen, darunter Alphabet und ihre Auto-Tochter Waymo, drängen in den Autosektor. Doch die heimischen Firmen haben einen großen Vorteil. Im Gegensatz zu westlichen Unternehmen stehen ihnen keine strengen staatlichen Internetkontrollen im Wege. Nichtchinesische Konzerne dürfen zum Beispiel keine digitalen Straßenkartensysteme betreiben, wie sie für fahrerlose Autos nötig sind.

Deshalb haben ausländische Autobauer wie Ford und BMW, aber auch heimische Hersteller wie SAIC und Zhejiang Geely Technologiepartnerschaften mit den großen Internet-Firmen geschlossen. Diesen Monat kündigte Renault an, die Umsätze in der Volksrepublik bis 2023 verfünffachen zu wollen. Möglich sollen das die Marktplätze von Alibaba machen, wo Chinesen künftig Renaults kaufen können. Außerdem will der französische Autobauer bald eine Software von Alibaba in seinen Wagen nutzen.

Als Geely-Gründer Li Shufu vor kurzem die Übernahme von 9,7% an Daimler verkündete, warnte er vor Veränderungen: "Die Wettbewerber, die die Autoindustrie im 21. Jahrhundert technologisch herausfordern, sind heute noch kein Teil der Branche. Kein heutiger Vertreter der Autoindustrie kann diesen Kampf gegen die Angreifer von außen alleine gewinnen."

Baidu, Alibaba und Tencent setzen darauf, dass die Branche künftig weniger Hardware und mehr Dienstleistungen verkaufen wird. Die Umsätze würden vor allem von Abos für die Nutzung von fahrerlosen Autos und schnellem mobilem Internet generiert.

"Die großen Internet-Firmen wollen, dass Leute im Auto ihre Online-Dienste nutzen. Sie sehen die Mobilität als Tor zu ihren Systemen", sagt Bill Russo, ein ehemaliger Chrysler-Manager, der heute die Beratungsfirma Automobility in Shanghai leitet. "Also investieren sie alle aktiv in Mobilität. Das passiert nirgendwo sonst und macht China so einzigartig."

Baidu-Chef Robin Li hat die Entwicklung von fahrerlosen Autos zum erklärten Ziel des Betreibers von Suchmaschinen und Kartensystemen gemacht. "In Zukunft wird man sich beim Pendeln nicht mehr viel auf das Fahren konzentrieren müssen", sagt er.

Chen Hong, Chairman des größten chinesischen Autobauers SAIC Motor, gibt zu, dass Tech-Firmen ernstzunehmende Konkurrenten sind. Er glaubt jedoch, dass traditionelle Autobauer Fahrer und ihre Bedürfnisse besser verstehen.

So oder so brauchen Autobauer jedoch Partner. SAIC hat ein vernetztes Auto auf den Markt gebracht, dessen Software auf AliOS basiert, dem Betriebssystem von Alibaba. Zwei große staatliche Autobauer, Beijing Auto und Guangzhou Auto, entwickeln ähnliche Fahrzeuge mit Baidu beziehungsweise Tencent. Letztes Jahr kündigten auch Ford und BMW an, Autos mit der Software von Alibaba zu entwickeln.

Die Internetriesen finanzieren auch eine Reihe von Start-ups, die Smartcars für den chinesischen Markt entwickeln. Xpeng Motor, ein von Alibaba mitfinanziertes Projekt, plant ein SUV mit Karten- und Musik-Apps, chinesischer Spracherkennung und sogar einer Kamera auf dem Dach. So können die Insassen ihre Reisen bei Social Media teilen. Die Technologie und die Verbraucherdaten, die Alibaba in fast zwei Jahrzehnten als führender E-Commerce-Konzern Chinas gesammelt hat, helfen Xpeng dabei, schnell zu wachsen, sagt Gründer Xiaopeng He.

Traditionelle Hersteller brauchen die strategische Expertise, da sich der Automarkt gerade rasant wandelt, sagt Freeman Shen, dessen E-Auto-Start-up WM Motor von Baidu und Tencent mitgetragen wird. Der ehemalige Geely-Manager glaubt, dass Autobauer nur überleben können, wenn sie mit den Internet-Firmen kooperieren.

Baidu und Tencent investieren außerdem in NIO, dessen erstes E-Auto einen sprachgesteuerten Assistenten und zahlreiche Apps von den beiden Tech-Financiers umfasst. Das Fahrzeug kann außerdem eigenständig parken. Dow Jones

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