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23.05.2018 10:00

Staatsgelder für die chinesische Halbleiterbranche

BEIJING (Dow Jones)---Der wirtschaftliche Konflikt zwischen China und den USA könnte sich bald noch verschärfen: Laut Informanten will China einen neuen Fonds im Umfang von rund 300 Mrd Yuan (39,5 Mrd Euro) auflegen, um die Halbleiterbranche zu fördern und zu den USA und anderen technisch fortgeschrittenen Rivalen aufzuschließen. Die staatlich finanzierte China Integrated Circuit Industry Investment Fund soll das Land in die Lage versetzen, fortgeschrittene Mikro- und Grafikprozessoren zu entwickeln und herzustellen, sagte ein Insider. Details wie der genaue Umfang des Fonds könnten sich noch ändern, sagte eine andere Person.

China will sich mit der Stärkung der eigenen Halbleiterindustrie von ausländischen Technologien unabhängig machen. Seit die USA die Übernahme von Chip-Herstellern durch Unternehmen aus der Volksrepublik wiederholt wegen Sorgen um die nationale Sicherheit blockiert haben, kommt dem Fonds nun eine größere Bedeutung zu. 2014 hatte Beijing bereits einen ähnlichen Fonds im Umfang von 139 Mrd Yuan aufgelegt, der weitgehend von Staatsunternehmen finanziert wurde. Dieser frühere Chip-Entwicklungsfonds ist das zentrale Thema der jüngsten amerikanischen Beschwerden über die chinesische Technologiepolitik.

In seinem Bericht von Mitte März kritisierte der Handelsbeauftragte der USA die Dominanz chinesischer Staatsbehörden und -konzerne in dem Investitionsfonds von 2014. Daran sei zu erkennen, dass die Regierung bei der Auflegung des Fonds stark involviert gewesen sei, um nationale strategische Ziele zu erreichen. Daher dürfte auch der neue Fonds den Vorwurf der unfairen Wettbewerbspolitik auf sich ziehen, sagt William Reinsch, ehemaliger US-Handelsbeamter und heute Mitarbeiter des Center for Strategic and International Studies. "Wann immer jemand so viel Geld in ein bestimmtes Produkt oder einen Sektor steckt, wird sich das deutlich auf den Markt auswirken", sagt er.

Der Schritt dürfte am internationalen Markt für ein Überangebot an Halbleitern sorgen, sodass die Preise sinken und die Chip-Hersteller anderer Länder unter Druck geraten könnten, ergänzte er.

Halbleiter waren auch ein Thema bei den zweitägigen Handelsgesprächen zwischen den USA und China, die am Freitag endeten. Die Volksrepublik bat die USA unter anderem, die Regeln für Chip-Exporte zu lockern, heißt es in einem Dokument, das bei den Gesprächen besprochen wurde. Das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie erklärte in der vergangenen Woche laut der Mitschrift einer Pressekonferenz, dass verschiedenste Unternehmen in den Fonds investieren dürften. Man sei informell auch auf amerikanische Chip-Hersteller zugegangen, um ihnen anzubieten, an der jüngsten Finanzierungsrunde teilzunehmen, sagte eine mit dem Prozess vertraute Person. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass sie das tun werden - wegen des politisch sensiblen Timings, aber auch, weil der Fonds letztendlich darauf abzielt, China mehr Unabhängigkeit von ausländischen Unternehmen zu verschaffen, so der Informant.

Analysten erwarten, dass der Fonds die chinesische Chip-Industrie zwar stärken wird. Die Volksrepublik liege in dieser Branche jedoch immer noch weit hinter seinen Rivalen. Fast 90% der 190 Mrd Dollar an Chips, die in China genutzt werden, wurden von ausländischen Firmen im Land produziert oder dorthin exportiert, berichtet die Analysefirma International Business Strategies. Die Schwierigkeiten, die durch die Abhängigkeit von ausländischen Technologien entstehen, wurden vor Kurzem erneut verdeutlicht, als die US-Regierung den Smartphone-Hersteller ZTE vom amerikanischen Markt für Komponenten abschnitt. ZTE ist in der Herstellung seiner Produkte stark von amerikanischen Herstellern wie Qualcomm und Intel abhängig.

Der Halbleiterfonds von 2014 hatte Ende vergangenen Jahres bereits in fast 70 Projekte investiert, sagten Personen, die im März eine Rede von Ding Wenwu gehört hatten, dem Präsidenten des Fonds. Ein mitfinanziertes Projekt ist die 3D-NAND-Fabrik in Wuhan von Yangtze Memory Technologies, die Ende des Jahres die Massenproduktion aufnehmen soll. Laut Analysten ist noch nicht klar, ob diese und andere Fabriken im internationalen Vergleich mithalten können. Die Chip-Riesen Intel und Taiwan Semiconductors Manufacturing investieren indes selbst riesige Summen. Beide geben pro Jahr mehr als 10 Mrd Dollar für Forschung und Entwicklung aus.

In China fehlt es außerdem an den nötigen Talenten für die Halbleiterbranche, obwohl Unternehmen mit überdurchschnittlichen Gehältern um internationale Talente werben, sagen Analysten. Die Halbleiterindustrie hat zuletzt eine zentrale Rolle im chinesisch-amerikanischen Handelskonflikt gespielt. Das in San Diego ansässige Unternehmen Qualcomm wartet immer noch auf die Genehmigung der chinesischen Wettbewerbshüter für die 44 Mrd Dollar schwere Übernahme von NXP Semiconductors. Die Übernahme gilt als überlebenswichtig für die Gesellschaft.

Kürzlich gaben chinesische Behörden Qualcomm immerhin ihren Segen für ein Joint Venture mit der staatlichen Datang Telecom Technology (NfA vom 7. Mai). Gemeinsam wollen sie Smartphone-Chips entwickeln, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Während der Handelskonflikt mit den USA eskaliert, schiebt China jedoch die Entscheidung über Qualcomm und NXP auf die lange Bank. Dow Jones

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