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15.08.2018 09:25

Wie Samsung sich durch den Handelskonflikt laviert

SEOUL (Dow Jones)--Der Handelsstreit zwischen den USA und China bringt den südkoreanischen Elektronikkonzern Samsung in eine unangenehme Lage. Beide Länder zählen zu den größten Märkten des Unternehmens und machten im vergangenen Jahr zusammen rund 40% der Umsätze aus. Samsung muss nunmehr seine Kontakte sowohl mit den Vereinigten Staaten als auch der Volksrepublik pflegen, ohne mitten in das Scharmützel beider Länder zu geraten. Und dabei beeinträchtigen die US-Zölle den Absatz von Haushaltsgeräten sowie Gerätekomponenten.

Samsung Electronics verkauft Fernseher, Smartphones sowie Haushaltsgeräte an US-Bürger, und ihre Speicherchips stecken in Millionen chinesischer Geräte. Zudem agiert das Unternehmen als Großinvestor in beiden Ländern. In den vergangenen Jahren pumpte der Konzern rund 10 Mrd US-Dollar in die USA, unter anderem in Form von Investitionen für Fabriken, die Haushaltsgeräte und Halbleiter fertigen. Im Februar 2017 lobte US-Präsident Donald Trump das Unternehmen für die Investition in South Carolina. Im chinesischen Xian stecken die Südkoreaner rund 7 Mrd Dollar in eine Speicherchip-Fertigung an der alten Seidenstraße.

Doch beide Seiten prügeln jetzt in gewisser Hinsicht auf Samsung ein. So unterliegen Waschmaschinen des Konzerns in den Vereinigten Staaten Zöllen von bis zu 50%, auch wenn das Geschäft nur einen Bruchteil des Umsatzes ausmacht. Bei Halbleitern könnten dem Unternehmen weitere Abgaben drohen - oder auch Nachfragerückgänge.

Schwer einzuschätzen ist, wie sich die neuen US-Zölle auf Samsung auswirken werden. Der Grund sind die äußerst komplexen Zulieferketten. Smartphones lässt der Konzern meist in Vietnam und Indien fertigen. Zugleich stammen die Fernseher aus der ganzen Welt. So könnte das Unternehmen wenigstens in dieser Hinsicht die Fertigung relativ flexibel verlagern, erläutern Analysten.

Der Handelsstreit dürfte dafür sorgen, dass Südkorea für rund 4 Mrd Dollar weniger Halbleiter nach China liefert, sorgt sich Mun Byung-ki vom südkoreanischen Handelsverband. Samsung käme besonders dann unter die Räder, wenn in der Volksrepublik für die USA gefertigte Produkte, die Chips des Konzerns verwenden, hohen Zöllen unterlägen.

Derzeit entwickelt sich auch die Beziehung Samsungs mit China weiter, da Beijing in Zukunft weniger stark von Chips aus dem Ausland abhängen will und auf Fertigung im Reich der Mitte setzt. Die Volksrepublik nahm jüngst den Aufstieg von Samsung zu einer global operierenden Firma unter die Lupe. Im Juni gehörte der Konzern zu einer Handvoll südkoreanischer Firmen, die zu einem informellen Treffen mit Chinas Premier Li Keqiang eingeladen wurden, so ein Insider. Li habe dabei ein chinesisches Sprichwort zitiert, das die Südkoreaner an den gegenseitigen Nutzen ihrer Verbindungen erinnern sollte: "Der dem Wasser am nächsten gelegene Pavillon genießt das Mondlicht zuerst."

Ebenfalls im Juni untersuchten chinesische Regulierer Speicherchip-Hersteller, darunter auch Samsung. Laut einigen Analysten schauen die Aufseher nach möglichen Preisabsprachen bei Speicherchips. Regierung in Beijing antwortete auf Nachfrage dazu nicht.

Auch wenn Samsung nach außen hin neutral bleibt, betreibt der Konzern in beiden Ländern doch ein engagiertes Lobbying, so Analysten. Er versucht, sein eigenes Geschäft trotz der Handelsspannungen und des Protektionismus' zu schützen. So nahm das Unternehmen im Vorjahr in Washington rund 3,4 Mio Dollar in die Hände, mehr als doppelt so viel wie 2016. In den ersten sechs Monaten waren es bereits 2,2 Mrd Dollar. Es ging vor allem um Handelsfragen.

Samsung ist allerdings dank seiner Marktmacht in gewisser Weise vor den Folgen der Handelsstreitigkeiten geschützt, meinen Analysten. Unternehmen hingen stark von den elektronischen Komponenten der Südkoreaner ab und könnten kaum andere Anbieter dafür finden. Samsung ist weltweit die Nummer 1 unter den TV-Herstellern, und mehr als jedes fünfte weltweit verkaufte Smartphone ist ein Samsung-Gerät. "Die Welt kann nicht ohne sie leben", sagte Sanjeev Rana, Analyst bei Brokerage CLSA. Dow Jones

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