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26.09.2018 09:30

Indonesien: Das nächste Schwellenland mit Problemen?

JAKARTA (Dow Jones)--Für Investoren, die sich in der Türkei und in Argentinien engagiert haben, gab es 2018 ein böses Erwachen. Die beiden Länder stehen im Zentrum einer sich ausweitenden Krise, die die Schwellenland-Währungen auf Talfahrt geschickt hat.

Wie sieht es mit Asien aus? Ein Land taucht immer wieder auf: Indonesien. Die Inselgruppe hat ebenfalls ein wachsendes Handelsdefizit und Massen ausländischer Schulden. Auf dem Papier hat das Land alles richtig gemacht, um die Märkte in diesem Sommer von sich zu überzeugen: die Zinsen angezogen, die Ausgaben gekürzt, die Importsteuern erhöht.

Investoren sind dennoch nicht überzeugt. Die indonesische Rupiah hat dieses Jahr 10% gegenüber dem Dollar nachgegeben und fiel damit auf ein Niveau, das es zuletzt während der Asien-Krise Ende der 1990er-Jahre gab. Zum Teil kann dies sicherlich mit Ansteckung erklärt werden. Aber es gibt auch konkrete Gründe, nicht auf einen baldigen Aufwärtstrend zu setzen, auch wenn die indonesischen Staatsanleihen mit rund 8% eine attraktive Rendite aufweisen.

Oberflächlich betrachtet sieht Indonesien gesünder aus als etwa Argentinien. Die Staatsverschuldung lag Ende letzten Jahres nur bei 29% des Bruttoinlandsproduktes und damit weit unter der Verschuldung vieler entwickelter Länder. Das Land verdient außerdem viel Geld durch Exporte, um seine ausländischen Gläubiger zu bedienen. Die kurzfristigen Auslandsschulden entsprachen laut Nomura 27% des Wertes der Exporte des vergangenen Jahres per Juli. In Argentinien lag der Wert bei 141, in der Türkei bei 76%.

Diese Zahlen geben aber nicht das Gesamtbild wider. Die Investitionstätigkeit hängt wie in China stark von den staatlich kontrollierten Unternehmen ab - und die sind finanziell in keiner guten Verfassung. Die aggregierten Ergebnisse vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen der größten staatlich kontrollierten Infrastruktur-Unternehmen lagen bei weniger als dem Vierfachen ihrer Zinsausgaben gegen Ende 2017, wie die Ökonomen Trinh Nguyen und Gary Ng von Natixis schreiben. Der globale Median für diesen Sektor liegt bei den Achtfachen der Zinsausgaben. In diesem Kontext wirkt die niedrige direkte Staatsverschuldung weniger überzeugend.

Indonesien wirkt auch deshalb verwundbar, weil das Land sowohl ein großer Kohleexporteur als auch ein Netto-Ölimporteur ist. Ersteres macht es anfällig für eine Verlangsamung in China - die Preise für indonesische Kohle mit einem niedrigen Heizwert sind seit Juni gefallen, während die Ölpreise hoch blieben. Das Handelsdefizit war im Juli wegen teurer Energieimporte so groß wie seit 2013 nicht mehr.

Indonesien ist keine Türkei und kein Argentinien, aber die Investoren haben Recht damit, wenn sie sich Sorgen machen. Trotz saftiger Anleiherenditen wirkt es doch riskant, sich auf Kohleminen zu verlassen, während der Druck auf die Schwellenländer insgesamt steigt. Dow Jones

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