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02.10.2018 10:15

Autobranche kann von Beijing keine Pannenhilfe erwarten

BEIJING (Dow Jones)--Chinas Automarkt ist diesen Sommer aus der Spur geraten. Anleger sollten aber nicht darauf bauen, dass Beijing den Markt wieder ins Gleis setzen wird. Der weltgrößte Markt könnte erstmals seit mindestens einem Jahrzehnt auf Jahressicht wieder einen Rückgang verzeichnen. Die Umsätze gaben zuletzt drei Monate in Folge nach. Der Abbau von Steuerkürzungen verschreckt die Käufer. Zudem verschärfen sich die Finanzierungsbedingungen immer mehr, nachdem die Regierung gegen das Schattenbankensystem durchgreift und hier besonders in kleineren und wenig wohlhabenden Städten.

Früher sprang bei Abschwüngen stets Beijing ein und kürzte die Verkaufssteuer. Das half 2009 und 2015 dem Markt wieder auf die Sprünge. Doch dieses Mal wird die Regierung wohl nicht zur Hilfe eilen. Zunächst einmal ist es ein wenig zu früh dafür, da die vorherige Steuerkürzung erst zu Jahresauftakt abgebaut wurde. Viele potenzielle Kunden haben aus diesem Grund ihre Käufe vorverschoben.

Darüber hinaus kränkelt Chinas Wirtschaft nicht so sehr wie bei früheren Abschwüngen am Automarkt, so dass es wenig Bedarf für ein breitangelegtes Konjunkturprogramm gibt. 2008 tobte die Finanzkrise, während 2015 der Börseneinbruch und die Yuan-Abwertung massive Kapitalabflüsse ausgelöst hatten. Und keiner der großen Autobauer sieht derzeit nach einem Kandidaten für einen Komplettkollaps aus. Jeder Stimulus dürfte von daher eher mit emissionsärmeren Autos zusammenhängen. Diese passen auch zu Beijings Anstrengungen einer Digitaltransformation der Industrie, dürften aber kaum die Gewinne erhöhen. E-Autos fahren immer noch kaum Gewinne ein.

Ohne Stimulus dürfte sich der Automarkt eine Zeitlang nicht vom Fleck kommen. Chinesische Marken, die tendenziell günstiger als die aus dem Ausland sind, dürften besonders leiden. So bauen sich derzeit erhebliche Lager auf und die Hersteller bieten inzwischen satte Rabatte an. Der wachsende Markt für Gebrauchtfahrzeuge, der inzwischen schon halb so groß wie der für Neuwagen ist, macht den Billiganbietern zusätzlich das Leben schwer. So legten die Umsätze mit Gebrauchtwagen dieses Jahr um 13% zu. Aktien chinesischer Autobauer sehen günstig bewertet aus. Sie notieren nahe ihren Fünf-Jahres-Tiefs mit Blick auf die Kurs-Gewinn-Verhältnisse. Der große Vorbehalt ist aber, dass die Prognosen noch nicht den eingetrübten Ausblick berücksichtigen. Die aktuelle Gewinnprognose für Geely fürs kommende Jahr etwa rangiert immer noch über dem Wert von vor neun Monaten.

Derweil kassierte Brilliance China - ein Partner von BMW - seine Gewinnprognosen um 16%. Das mutet realistischer an als die von Geely. Insgesamt sieht es für teure Autos besser aus, da dieses Segment weniger stark vom Durchgreifen gegen Schattenfinanzierungen betroffen ist. Bei der Abschwächung des Automarktes geht es vor allem weniger starken Marken an den Kragen. Dow Jones

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