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13.02.2019 09:35

Sorgen um die chinesische Ökonomie verdichten sich wieder

Experten sehen wenig Handlungsspielraum für die Regierung

BEIJING (Dow Jones)--Vor gut einem Monat wurden Zweifel an Chinas Wachstum zur Gewissheit. Die Märkte rund um den Globus reagierten nervös. Investoren sehen die Schwäche der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt inzwischen als größte Bedrohung für die US-Aktienkurse.

Obwohl Anfang 2019 die Werte von Apple und anderen führenden Unternehmen wegen der Nachfrageschwäche in China kräftig nachgaben und Befürchtungen wegen eines Überspringens der Krise die Runde machten, verzeichnete der US-Aktienmarkt im Januar sein insgesamt bestes Ergebnis seit Jahrzehnten.

Die Federal Reserve hatte Hinweise auf eine Zinspause geliefert und damit eine Rally ausgelöst, doch Anleger bleiben auf der Hut. Chinas rückläufiges Wachstum und der anhaltende Handelskonflikt könnten das Ganze schnell wieder aus der Bahn werfen.

Die Nachfrage aus der Volksrepublik ist von großer Bedeutung für Tech-Giganten wie Apple sowie international agierende Autobauer und andere Industrieunternehmen. Sollte der Abschwung in China stärker ausfallen als erwartet, wären die Auswirkungen weit über das Land hinaus zu spüren.

Apples Aktie konnte sich im Januar mit einem Plus von 5,5% zwar etwas erholen, doch blieb der Kurs rund 28% hinter seinem Höchststand zurück. Industrie-Schwergewichte wie Caterpillar oder 3M haben ebenso wie manche Tech-Unternehmen ihre Erwartungen bereits heruntergeschraubt.

Anleger fragen sich, ob es der Regierung in Beijing gelingen wird, das rückläufige Wachstum zu managen, ohne die Lage durch politische Fehler weiter zu verschärfen. Ein Beispiel: Die Abwertung des Yuan 2015 wurde als Maßnahme zur marktgerechteren Bewertung verkauft. Was jedoch damit ausegelöst wurde, waren vor allem Sorgen um die Wirtschaft und einen Abfluss von Kapital in destabilisierendem Ausmaß.

Die jüngere Geschichte lehrt die Anleger vorsichtig zu sein. Sorgen um Chinas Finanzstabilität waren während den vergangenen paar Jahre Ursache mehrerer Rückschläge an den Börsen, die rund um den Globus den Aktien- und Rohstoffpreisen und den Titeln aus Schwellenländern schwer zusetzten.

Deutliche Zurückhaltung bei den Anlegern

Die Kehrtwende der US-Notenbank bei ihrer Zinspolitik hat jene bestätigt, die deren Politik des knappen Geldes als schädlich für die Wirtschaft ansahen. Die nun verkündete Pause bei den Zinserhöhungen hat aber auch Sorgen genährt, dass die US-Wirtschaft verwundbarer und anfälliger für das chinesische Problem sein könnte, als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt der letzten Jahre.

Anleger befürchten auch, dass die Regierung in Beijing im Gegensatz zu früher weniger Möglichkeiten hat, um über großangelegte Programme die Wirtschaft anzukurbeln und die Anleger zu beruhigen.

"Insgesamt sind wir sehr vorsichtig", sagt Louis Lau, Investment-Direktor bei Brandes Investment Partners. "Wir schauen auf eine Wirtschaft, der allmählich die Optionen ausgehen."

Der von Lau verantwortete Fonds hat seine Ausrichtung auf chinesische Anlagen auf rund die Hälfte seines Referenzbestandes zurückgefahren. Die verbliebenen Beteiligungen beschränken sich hauptsächlich auf Unternehmen, die weniger anfällig gegenüber nachlassendem Wachstum und Handelskonflikten sind. Dazu zählen ausgewählte chinesische Telekomunternehmen und Banken.

In einer Umfrage unter Fondsmanagern, durchgeführt von Bank of America Merrill Lynch, standen der Rückgang des chinesischen Wirtschaftswachstums und der Handelskonflikt von August bis Januar ganz oben auf der Risikoliste.

Die jüngsten Zahlen aus China belegen die Schwäche der Wirtschaft. Chinas offizieller Einkaufsmanager-Index vom Januar offenbarte einen Rückgang der Aktivitäten in der verarbeitenden Industrie im zweiten Monat in Folge. Das Wirtschaftswachstum 2018 erreichte noch 6,6% und lag damit so niedrig wie seit 1990 nicht mehr.

Manche Beobachter glauben, dass die Dinge in Wahrheit noch schlimmer liegen als es die offiziellen Zahlen beschreiben. Laut Leland Miller, Gründer des unabhängigen Research-Unternehmens China Beige Book, zeigen Umfragedaten von inländischen Quellen, dass die Schwäche mittlerweile eine ganze Reihe von Branchen erfasst hat, so zum Beispiel die Autoindustrie, die Gastronomie und den Luxusgüter-Bereich. Seine Befürchtung ist, dass Chinas Regierung während den vergangenen Jahren ihr Pulver weitgehend verschossen hat und aufgrund der aufgeblähten Verschuldung nun nicht mehr viel bleibt, um Wachstumsimpulse zu setzen.

Das Institut of International Finance verortete im dritten Quartal 2018 die Verschuldung chinesischer Nichtfinanz-Unternehmen bei rund 157% des Bruttoinlandsprodukts, während der Durchschnitt für alle Schwellenländer bei rund 94% lag.

Dank der Förderprogramme für die Wirtschaft hätten sich Anleger mit der Idee angefreundet, dass jede Schwäche überwunden werden kann, sagt Miller. "Aber so läuft das nicht mehr", ist er überzeugt. Wenn die Schulden immer weiter steigen, gehe das Wachstum vor die Hunde.

Für andere ist weiterhin Optimismus angesagt: Getragen vom Dienstleistungssektor stieg der chinesische Stromverbrauch 2018 so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr. Mit einem Plus von 7,1% im vergangenen Jahr übertraf die heimische Strom-Nachfrage laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung das Ergebnis von 2017 um 1%.

Analysten von Bernstein sehen den chinesischen Konsum auf einem weitgehend stabilen Niveau, während sich Anleger hauptsächlich auf die großen Rahmendaten beziehen.

Obwohl sich die Wirtschaft abschwäche, "gibt es nur wenige Anzeichen dafür, dass sich die Dinge signifikant verschlechtern", sagt Torsten Slok, internationaler Chefvolkswirt der Deutschen Bank. "Die haben eine sanfte Landung eingeleitet. Das steckt dahinter."

Amy Kam, Bondmanagerin bei GAM Investments, geht davon aus, dass es sich China für den Augenblick noch leisten kann, das Schuldenproblem hintenan zu stellen. Sie sagt: "Mittelfristig aber bin ich in Sorge: Die Unternehmen müssen entschuldet werden und brauchen effizientere geldpolitische Mechanismen." Dennoch bleibe sie zuversichtlich, dass es der Regierung gelingen werde, den Abschwung unter Kontrolle zu halten.

Zwar seien Sorgen um das Wachstum in China und die Verschuldung chinesischer Unternehmen begründet, doch die Sorgen seien schon eingepreist in den Aktienkursen, glaubt Eric Moffett, Portfolio-Manager bei T. Rowe Price in Hongkong. Aus diesem Grund habe er chinesische Aktien in seinem Portfolio momentan sogar übergewichtet. "Auch wenn die Nachrichten noch so schlecht sind, musst du dich immer fragen, wieviel davon steckt schon im Preis", sagt er.

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