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22.05.2019 10:15

Beijing kann Markt für US-Bonds nicht effektiv torpedieren

Kapitalabzug dürfte Yuan stark aufwerten

BEIJING (Dow Jones)--Die USA schulden chinesischen Gläubigern rund 1,1 Bill US-Dollar. Doch Drohungen aus dem Reich der Mitte, US-Staatsanleihen auf den Markt zu werfen und in großem Stil Verwerfungen auszulösen, klingen hohl. Viel effektiver dürften dagegen clever gesetzte Nadelstiche gegen die Geschäftswelt sein und wohl auch auf US-Präsident Donald Trump Eindruck machen.

Zuletzt berichteten chinesische Medien, dass Politiker potenziell den satten Bestand von US-Staatsanleihen als Hebel im Handelsstreit mit der Trump-Administration einsetzen wollen. Schon jetzt holte das Land zu einem Vergeltungsschlag mit Zöllen auf Importgüter aus den USA im Wert von 60 Mrd Dollar aus.

Die Volksrepublik kann es den USA aber beim besten Willen nicht mit gleicher Münze heimzahlen, da deren Wirtschaft weit weniger von Exporten abhängt. Trotzdem vermag Beijing Trump zu verwunden, vor allem da der sehr genau auf Entwicklungen an der Wall Street achtet. Tech- und Industriewerte kamen besonders schwer unter die Räder.

Die Drohung mit den US-Staatsanleihen ist derweil kaum realistisch. In den Jahren 2015 und 2016 hatten ausländische Staaten diese Papiere für Portfolioumschichtungen mit dem nachhaltig höchsten Tempo in der jüngeren Vergangenheit verkauft, um die Rendite zu steigern. Viele Anleger fürchteten damals schweren Schaden für den Bondsmarkt.

Doch das trat nicht ein, was sich wohl auch niemals richtig abgezeichnet hatte. Zum Großteil hängen die Preise für Staatsanleihen von den Anlegererwartungen über die künftige Zinspolitik der Notenbank ab. Für die US-Regierung gilt das - mit deren Anleihen als liquidester Finanzanlage der Welt - nur umso mehr. Selbst ein massiver Ausverkauf kann nur kurzfristig die Kurse bewegen. 2016 schien die wahre Flut auf den Markt geworfener Papiere einige Monate einen gewissen Effekt zu haben, den die Wall Street aber bald absorbiert hatte.

Und zu jener Zeit stieg die Fed gerade so langsam in eine Zinserhöhungsrunde ein. Dieses Mal rechnen die Händler wegen der Spannungen mit China mit niedrigeren Zinsen, was sie eher zum Zugreifen bei diesen Anleihen veranlasst.

Zu Chinas Nachteil gelten US-Bonds auch noch wegen ihrer Stabilität und Liquidität als bequemste Finanzanlage für die Geldmanager von hohen Devisenreserven. Beijing geriete erheblich in die Bredouille, andere Vermögenswerte für Investments zu finden. Zieht das Land diese Gelder ab und legt sie zu Hause an, triebe das den Yuan nach oben, was den chinesischen Exporteuren noch zusätzlich zu den Strafzöllen das Leben erschweren würde.

Trotzdem sind Verkäufe von Staatsanleihen für Beijing möglich. Das Land könnte die Barmittel bei dortigen Banken belassen oder Dollar-Vermögenswerte in anderen Staaten erwerben. Es ließen sich auch der Greenback gegen Euros oder japanische Yens statt der heimischen Währung eintauschen. Doch wofür all die Mühe, wenn es am Ende den Markt für US-Bonds sowieso kaum tangiert?

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