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19.06.2019 15:46

Huawei fordert Lizenzgebühren von Verizon

SHENZHEN (Dow Jones)--Der belagerte Tech-Konzern Huawei verlangt laut Insidern offenbar vom US-Netzbetreiber Verizon Lizenzgebühren für mehr als 200 eigene Patente. Mit diesem Schritt gießen die Chinesen derweil noch mehr Feuer in den sowieso schon eskalierenden Machtkampf mit den USA. Kurioserweise ist Verizon überhaupt kein Huawei-Kunde. Der chinesische Telekommunikationsausrüster hatte bereits im Februar ein schneidendes Schreiben an Verizon geschickt, in dem an die Einsicht des US-Konzerns appelliert wird, wie vorteilhaft eine Lizenz fürs Huawei-Patentportfolio sei. Die Patente reichen von Kern-Netzwerkausrüstung über Kabel-Infrastrukturen bis hin zu Technologien fürs Internet der Dinge. Am Ende könnten laut einem der Insider mehrere Verizon-Partner betroffen sein.

Die Angelegenheit ist wohl nicht einfach so vom Tisch zu wischen. So trafen sich bereits Vertreter beider Seiten in New York, um über die Patente zu sprechen, wie einer der Insider erklärte. Ein Verizon-Sprecher wollte sich zu dem potenziell in ein juristisches Verfahren mündenden Vorfall nicht äußern, meinte aber dass die Dimensionen der Angelegenheit sehr schnell weit über Verizon allein hinausreichen könnten. Ein Huawei-Sprecher wollte sich zunächst nicht äußern.

Bisher beklagen sich die USA darüber, dass Huaweis Marktmacht eine Gefahr für die Nationale Sicherheit bedeute, etwa mit Blick auf Kommunikationsausfälle und Spionage. Huawei selbst widerspricht diesen Befürchtungen vehement. Verizon und andere US-Netzbetreiber müssen seit Jahren Huawei-Produkte aus den eigenen Netzen heraushalten. Zuletzt drängten die USA auch Verbündete dazu, um den Konzern einen Bogen zu machen.

US-Sicherheitsexperten warnen schon davor, dass kleinere Wettbewerber wie Nokia und Ericsson durch die Marktmacht der Nummer eins Huawei ins Seitenaus gedrängt werden könnten. Damit blieben den großen globalen Netzbetreibern für Ausrüstungen wie Basisstationen und Antennen kaum Auswahlmöglichkeiten. Und gerade jetzt werden diese Produkte so wichtig, da es um die Entwicklung der neuen 5G-Netzwerke geht. Rund um den Globus drängen die Netzbetreiber in die schnelleren Mobilfunknetze. Die Regierungen buhlen derweil darum, ihren Ländern einen Vorteil in diesem Infrastruktur-Rennen zu verschaffen. Seit Langem schon beschweren sich die Huawei-Konkurrenten darüber, dass die Chinesen vom Kopieren und Klauen geistigen Eigentums profitierten. Derweil beteuert der Konzern, sich an die Gesetze zu halten, die in der ganzen Welt gelten, und verweist auf eine lange Historie mit vielen eigenen Innovationen.

Mangel an wichtigen Komponenten

Derweil scheinen die USA Huawei bereits langsam in die Knie zu zwingen. Der Konzern sagte kurzerhand die Markteinführung seines neuen Laptops ab und unterbrach die PC-Produktion. Offenbar kommen die Chinesen nicht mehr an die nötigen Komponenten aus den USA heran. So müssen US-Konzerne Sonderlizenzen für Lieferungen an chinesische Konzerne wie Huawei beantragen, allerdings gestand das Weiße Haus den Zulieferern eine 90-tägige Übergangsfrist zu.

Die Bestrafung des chinesischen Konzerns verursacht Kollateralschäden. Das muss der US-Chiphersteller Broadcom gerade feststellen. Denn die Chinesen sind für die Branche einer der wichtigsten Abnehmer.

Als einer der größten Chiphersteller der Welt ist Broadcom auch einer der am breitesten aufgestellten. Der Konzern bietet Halbleiter an, die in Telekommunikationsausrüstung, in Smartphones, Fernsehern

- um nur einige Bereiche zu nennen - zum Einsatz kommen. Außerdem verfügt er über ein Software-Geschäft, das ein Viertel zum Konzernumsatz beiträgt, vor allem dank der Übernahme von CA Technologies im vergangenen Jahr.

Man kann aber den weltgrößten Einkäufer von Chips nicht einfach kaltstellen, ohne dass das Folgen hat. Im Rahmen seines Berichts über das zweite Quartal senkte Broadcom seinen Umsatzausblick für das laufende Geschäftsjahr um 8% auf 22,5 Mrd US-Dollar. Broadcom verliert damit rund 2 Mrd an Umsätzen.

CEO Hock Tan sagte zwar in einer Telefonkonferenz, dass Huawei direkt nur 900 Mio Dollar zum Umsatz beiträgt. Aber der chinesische Konzern ist ein wichtiger Einkäufer über die gesamte Technologie-Wertschöpfungskette hinweg. Dementsprechend hat die aktuelle Situation auch Auswirkungen auf andere Unternehmen, die zu den Kunden von Broadcom zählen. Die aktuelle Unsicherheit übe Druck auf die Lieferketten aus und veranlasse Kunden dazu, zunächst ihre Lagerbestände abzubauen statt neue Orders zu platzieren, sagte Tan.

Das ist kein gutes Omen für die anderen Unternehmen im Halbleitermarkt. Weil das Quartal von Broadcom schon am 5. Mai endete, ist der Konzern der erste große Chiphersteller, der Zahlen gemeldet hat, in denen die Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China schon verarbeitet ist.

Broadcom merkte an, dass viele andere Geschäfte gut laufen. Der Konzern hat sich sogar ein Lieferabkommen mit Apple gesichert, was auf eine Beteiligung an den kommenden iPhone-Modellen schließen lässt. Aber Huawei verkauft mehr Smartphones als Apple und verfügt zudem über den größten Marktanteil bei Netzwerkausrüstung. Chipherstellern könnte eine ganze Menge Geschäft entgehen.

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