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14.08.2019 10:20

Softbank und der Fundraising-Coup

Konzern kündigt weltgrößten Techfonds an / Von Phred Dvorak, Liz Hoffman und Mayumi Negishi

TOKIO (Dow Jones)--Als der japanische Softbank-Konzern im vergangenen Monat ankündigte, die Neuauflage seines Hightech-Fonds wird ein Volumen von 108 Mrd US-Dollar haben, sah es nach einem Fundraising-Coup aus. Der Vision Fund 2 wäre damit der weltgrößte Techfonds, zudem sollen namhafte Unternehmen wie Apple und Microsoft zu den Investoren gehören. Bei einem genaueren Blick auf die Details erscheint das gewaltige Gesamtvolumen allerdings nicht mehr ganz so solide.

In einer Softbank-Pressemitteilung heißt es, man habe Absichtserklärungen über Investitionszusagen von zwölf Gesellschaften sowie von "großen Akteuren aus Taiwan". Basierend auf diesen erreiche das Kapital des Vision Fund 2 rund 108 Mrd Dollar, so Softbank.

Mit der Situation vertraute Personen sagten allerdings, dass Softbank auch auf Beiträge potenzieller Investoren setze, die nicht in ihrem öffentlichen Prospekt aufgeführt seien. Auch könnte die Summe Verbindlichkeiten oder Schuldverschreibungen beinhalten, was die herkömmliche Definition von "Kapital" großzügig auslege.

Die Investoren, die Softbank noch nicht namentlich benannt hat, dürften dabei den Großteil der 70 Mrd Dollar ausmachen, die in den Fonds eingebracht werden. Softbank selbst will 38 Mrd investieren.

Mehrere potenzielle Investoren sagten, dass sich die Gespräche über Vision 2 in einem frühen Stadium befänden. Das würde dann aber im Gegensatz zur üblicheren Praxis im Geschäft mit Venture Capital stehen. Das Volumen eines Fonds wird meist erst nach den festen Zusagen von Investoren bekannt gemacht. Ein Informat sagte weiter, dass ein Investor, der eine Absichtserklärung unterzeichnet habe, Softbank keinen potenziellen Investitionsbetrag genannt habe.

Das von Softbank eingesammelte Fondsvolumen ist für die Technologiewelt von großem Interesse. Denn der erste Vision Fund, bisher mit Abstand der größte Technologie-Investmentfonds der Welt mit einem Kapital von fast 100 Mrd Dollar, hat das Umfeld für Start-ups verändert. Innerhalb von zwei Jahren nach dem Start hat er Milliarden an Dollar in Unternehmen, wie beispielsweise Uber Technologies oder Wework, investiert. Softbank will das Geld aus dem Vision Fund 2 vor allem in Firmen rund um Künstliche Intelligenz einbringen.

Wichtige Fragen zur Kapitalisierung des Fonds sowie zur Art und Anzahl der Investoren seien jedoch noch nicht geklärt, sagten mit den Verhandlungen vertraute Personen. Einige Investoren planten, den Großteil ihrer Finanzierungszusagen über eine Form von Schulden zu geben, erklärten Informanten. Softbank habe sich beeilt, Absichtserklärungen einzusammeln und Vision Fund 2 anzukündigen, ohne auf die Ergebnisse der laufenden Verhandlungen abzuwarten.

Der Konzern spreche auch mit der Investmentgesellschaft Mubadala, der staatlichen Investmentgesellschaft von Abu Dhabi. Mubadala gehörte zu den Großinvestoren beim Vision Fonds 1 und könnte nun bis zu 25 Mrd Dollar investieren. Das wäre dann mehr als die 15 Mrd, die Mubadala in den ersten Fonds gesteckt habe, sagte eine informierte Person. Von Mubadala war in der Sache keine Stellungnahme erhältlich.

Softbank habe sich bei der Ankündigung beeilt, weil dem ersten Vision Fund das Geld für Geschäfte ausgehe. Und sobald der Board von Softbank die eigene umfangreiche Kapitalinvestition genehmigt hatte, habe die Entscheidung öffentlich gemacht werden müssen, sagte ein Informant weiter. Für Beobachter ist dieser rasante Stil und aggressiver Optimismus typisch für Softbank und seinen Gründer Masayoshi Son. Er hatte das Unternehmen von einem japanischen Software-Distributor zu einem der einflussreichsten Technologie-Investoren der Welt gemacht.

Son ist bekannt für große Visionen und Einsätze. Er investierte beispielsweise früh in den chinesischen E-Commerce-Riesen Alibaba. Die möglichen Investoren für den Vision Fund 2 werden die Performance des ersten Fonds genau beobachten. Son sagte, der Fonds habe in dem Geschäftsjahr per Ende März eine Rendite von 29% erreicht. Allerdings entfiel der größte Teil davon auf Buchgewinne von privaten Unternehmen, die schwer zu bewerten sind. Von fünf Portfoliounternehmen des Vision Fund, die an die Börse gegangen sind, notieren derzeit vier unter dem Kurs des Börsengangs.

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