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21.08.2019 09:30

China: "Teil eines ehrgeizigen strategischen Plans"

FRANKFURT/KIEL (asi)--Christoph Trebesch ist Leiter des Forschungsbereichs ?Internationale Finanzmärkte und Global Governance? beim Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW). Die Studie "China?s Overseas Lending? zeigt erstmals ein umfassendes Bild der vom Reich der Mitte ins Ausland vergebenen Kredite und anderer Finanzströme. Dafür führten Trebesch und seine Koautoren Sebastian Horn und Carmen Reinhart Daten aus über sechs Jahrzehnten aus zahlreichen öffentlichen und nicht-öffentlichen Quellen zusammen. Das Interview führte NfA-Redakteur Marian Pawelka.

Herr Trebesch, China ist der größte Gläubiger der Welt und engagiert sich besonders in Entwicklungsländern. Welche Ambitionen verfolgt Beijing in diesen Staaten?

Die Kreditvergabe unter der Belt and Road Initiative ist Teil eines ehrgeizigen strategischen Plans. Sie soll Chinas Zugang zu Rohstoffen sichern und den Handel mit chinesischen Gütern erleichtern. Zusätzlich sind die Kredite und Investitionen auch geopolitisch motiviert. Das ist wenig überraschend, denn aufstrebende Mächte haben in der Geschichte immer wieder Kredite und Handel genutzt um ihren Einfluss zu mehren.

Wofür werden die finanziellen Mittel überwiegend eingesetzt?

Der großer Teil der Kredite wird für Investitionen in den Energie- und Rohstoffsektor sowie für Infrastruktur gewährt.

In der neuen Studie haben Sie und Ihr Team fast 5.000 chinesische Darlehen analysiert und herausgefunden, dass das Reich der Mitte weit mehr Kredite vergeben hat als bislang bekannt. Wieso unterrichtet Beijing die Weltbank und den IWF nur unvollständig?

Das Problem der Intransparenz besteht sowohl auf chinesischer Seite als auch auf Seite der Empfängerländer. Chinesische Kredite werden in den Entwicklungsländern oftmals von staatlichen Unternehmen aufgenommen. Aufgrund eingeschränkter statistischer Kapazitäten werden diese Schulden von Entwicklungsländern in der Regel nicht erfasst. Oftmals haben die Empfängerländer selber also kein umfassendes Bild ihrer Schulden an China und können entsprechend auch keine detaillierten Angaben an die Weltbank und den IWF weiterreichen. Beijing könnte diesen Umstand durch Publikation seiner Kreditvergabe schnell beheben. Wieso China dies nicht tut, darüber können wir nur spekulieren, aber innerhalb Chinas ist die Datenlage auch nicht viel besser was Finanzflüsse angeht.

Im Bezug auf die Kreditvergabe werfen Kritiker Beijing eine Art "Schuldknechtschaft" vor. Droht gerade in Afrika eine neue Schuldenkrise?

Den Begriff der ?Schuldknechtschaft? würde ich nicht verwenden. Die Entwicklungsländer stimmen der Kreditaufnahme ja bereitwillig zu und bestimmen in der Regel auch die Projekte selbst, die mit den Krediten finanziert werden. Fakt ist aber auch, dass die Schuldenstände zahlreicher Entwicklungsländer in Afrika in den letzten 5 Jahren stark angestiegen und insbesondere die Zins- und Amortisationskosten überproportional gewachsen sind. Die chinesische Kreditvergabe ist hierfür ein wichtiger Treiber, vor allem auch weil die Zinsen chinesischer Kredite oftmals deutlich über den Krediten internationaler Entwicklungsorganisationen liegen.

Laut der Studie wurden mehr als 75% der in den vergangenen Jahren gewährten direkten Entwicklungskredite von der staatlichen China Development Bank und der Export-Import Bank gewährt. Welche Vorteile ergeben sich daraus für die chinesische Regierung?

Diese Kredite dienen oftmals der Finanzierung von chinesischen Exporten. Die Aufträge für den Bau von großen Infrastrukturprojekten beispielsweise gehen in der Regel an chinesische Unternehmen. Das Land hat damit auch externe Nachfrage für Überkapazitäten im einheimischen Bausektor geschaffen.

Die Afrikanische Union hat kürzlich das interkontinentale Freihandelsabkommen AfCFTA auf den Weg gebracht. Glauben Sie, dass sich dadurch die Abhängigkeit von chinesischen Krediten verringern könnte?

Nein, Afrika ist als kapitalarmer Kontinent von ausländischem Kapital abhängig und hat riesigen Bedarf an Investitionen im Infrastruktur- und Energiebereich. Europa und die USA können oder wollen diese Nachfrage nur unzureichend bedienen, insofern wird China auch in Zukunft eine wesentliche Rolle spielen. Umso wichtiger ist, dass es gelingt Transparenz über die Volumina und Konditionen chinesischer Kredite zu schaffen.

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