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16.10.2019 09:30

Indien: Ein holpriges Pflaster

MUMBAI (Dow Jones)--Unter den Automärkten weltweit galt zuletzt alle Aufmerksamkeit China. Dabei befinden sich auch in Indien die Autoverkäufe in diesem Jahr fast im freien Fall. Die gute Nachricht für Investoren ist, dass die globalen Autohersteller auf dem nach Umsatz viertgrößten Automobilmarkt der Welt überraschend wenig zu verlieren haben - und bald wird es noch weniger sein.

Ford hat kürzlich einen Teilrückzug aus dem Land ausgelotet. Dazu unterzeichnete der Konzern einen Vertrag mit dem heimischen Hersteller Mahindra. Er sieht die Übertragung des Eigentums an den indischen Ford-Montagewerken auf ein Joint Venture vor, das vom indischen Partner betrieben wird.

Ford steckt unter CEO Jim Hackett inmitten eines großen Restrukturierungsprogramms und hatte daher ganz eigene Gründe für diesen Schritt. Dass sich der indische Automobilmarkt - ein schwieriger Markt für westliche Marken auch zu den besten Zeiten - in einer harten Phase befindet, wird die Verkaufsentscheidung wahrscheinlich erleichtert haben.

Von April bis August lag der Pkw-Absatz in Indien laut Herstellervereinigung Society of Indian Automobile Manufacturers (SIAM) um rund ein Viertel unter dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass der September anders verlaufen ist. Marktführer Maruti Suzuki erklärte vor Kurzem, sein Inlandsabsatz sei im September um 24,8% gegenüber dem Vorjahresmonat gefallen.

Ein großes Problem war zuletzt die Schwäche der bankenunabhängigen Autofinanzierer, auf die sich indische Autokäufer, Händler und kleine Unternehmen gleichermaßen verlassen. Der Zusammenbruch von Infrastructure Leasing & Financial Services, einer der größten Schattenbanken Indiens, vor einem Jahr hat einen Finanzierungsengpass ausgelöst, von dem sich die Branche noch nicht erholt hat.

Ein weiterer Grund sind die zweistelligen Preissteigerungen bei den Autos selbst. Die Hersteller versuchen auf diese Weise, steigende Kosten für strengere Sicherheitsanforderungen zu decken. ABS-Bremssysteme, Airbags und Gurtwarnleuchten sind seit diesem Jahr in Indien Pflicht. 2020 tritt ein strengeres Abgasregime in Kraft.

Selbst in guten Zeiten bereitete Indien den meisten großen Autokonzernen Kopfschmerzen. Es handelt sich zwar um einen sehr großen Markt - nur in China, den USA und in Japan wurden im vergangenen Jahr mehr Pkw verkauft - mit starkem Wachstumspotenzial. Gleichwohl hat es sich als sehr schwierig erwiesen, die lokale Größe zu erreichen, die es für eine vernünftige Rendite braucht. Nur wenige ostasiatische Kleinwagenspezialisten haben dies wirklich geschafft.

Suzuki is einer davon, durch seine Mehrheitsbeteiligung an Maruti Suzuki. Die Tochtergesellschaft verkauft rund jedes zweite Neufahrzeug auf dem indischen Markt. Das ist eine nach den üblichen Marktbedingungen außergewöhnlich dominante Position. Maruti Suzuki kam im vergangenen Jahr auf eine operative Marge von 9,6%, auch das ein hoher Wert. Nummer zwei auf dem Markt ist Hyundai. Die Südkoreaner verkauften laut Branchenverband SIAM von April bis August 18% aller in dem Land neu zugelassenen Autos.

Damit bleiben nur noch klägliche Reste für einen langen Schwanz von weiteren Anbietern übrig, darunter heimische wie Tata Motors und globale Hersteller wie Toyota und Volkswagen. Luxusmarken wie BMW und Mercedes-Benz, die in China immens wichtig sind, machen nur ein vernachlässigbares Prozent des Gesamtabsatzes aus.

Vor diesem Markthintergrund und angesichts der derzeit düsteren Aussichten ist die Entscheidung von Ford, seine Ressourcen mit denen von Mahindra zu bündeln, sehr sinnvoll. Mahindra als Nummer drei auf dem Markt, wird das Gemeinschaftsunternehmen leiten - neben seinem eigenen viel größeren Geschäft, das sich auf Nutzfahrzeuge spezialisiert hat. Mahindra bekommt damit Zugang zur Technologie und zum globalen Vertriebsnetz von Ford, während der US-Konzern seine Entwicklung vor Ort günstiger gestalten kann und Kenntnisse des lokalen Marktes bekommt - eine entscheidende Kombination in Indien.

„Für global tätige Autohersteller ist es entscheidend, Fahrzeuge liefern zu können, die für Indien hergestellt wurden?, sagt Ammar Master vom Marktforscher LMC Automotive. „Es reicht in Indien nicht aus, die teureren Modelle für den Weltmarkt im Angebot zu haben.?

GM hat den Verkauf von Autos in Indien schon 2017 eingestellt - als Teil seines globalen Rückzugs. Für diejenigen Massenmarkt-Hersteller, die im Land einen Fuß in der Tür behalten wollen, bietet Fords Ansatz eine nützliche Blaupause dafür, wie die Erträge in Indien verbessert werden können. Wie der große Investor Warren Buffett bereits sagte: „Es ist besser, nur einen kleinen Anteil am Hope Diamond zu besitzen, als einen kompletten Stein aus Strass.?

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