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05.02.2020 12:15

Die Weltwirtschaft am Tropf der Konjunktur

Coronavirus rüttelt globale Lieferketten durcheinander

NEW YORK (Dow Jones)--Der Ausbruch des Coronavirus in China, der derzeit zu immer mehr Fabrikschließungen führt, könnte auf Jahre hin die weltweiten Lieferketten der Industrie beeinträchtigen.

Aus dem Reich der Mitte kommen inzwischen mehr als doppelt so viele der weltweiten Warenexporte wie 2003, als das SARS-Virus zuschlug. Allein die Provinz Guangdong exportiert inzwischen mehr als ganz China vor 17 Jahren.

Die Hersteller klagen bereits über die Auswirkungen des chinesischen Neujahrsfestes im Januar oder Februar, wenn viele Fabriken in China geschlossen bleiben. Doch in diesem Jahr wird die Produktionspause behördlich verordnet noch länger ausfallen. Entsprechend könnte Chinas Industrieproduktion noch viel länger auf einen niedrigen Niveau verharren.

Die Industrieproduktion ist in China im Januar und Februar mehr als 20% niedriger als in den anderen zehn Monaten des Jahres, so war es jedenfalls in der vergangenen Dekade. Wenn Arbeitnehmer sich durchschnittlich zwei Wochen frei nehmen, erreicht die Produktion während des Neujahresfestes und in den Tagen davor und danach nur ein Fünftel ihres Potenzials.

Die Entwicklungen im Reich der Mitte sind nicht nur wichtig, weil das Land groß ist. Die globalen Lieferketten sind heute viel komplexer als 2003, als China der Welthandelsorganisation beitrat. Selbst nur wenige fehlende Teile aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt reichen aus, um anderswo die Produktion zu gefährden. Und Ersatz für einen ausfallenden Spezialisten unter den Teilelieferanten ist schwer zu finden.

Ein Blick auf frühere unerwartete Produktionsunterbrechungen macht wenig Mut. Nach dem Erdbeben in Japan 2011 musste etwa General Motors die Autoproduktion in amerikanischen und europäischen Werken stoppen, weil wichtige Fahrzeugteile außerhalb Japans nicht zu bekommen waren. Ähnliches passierte 2016. Die Überschwemmungen in Thailand 2011 zwangen den Lieferketten langfristig Änderungen auf, auch nachdem die unmittelbaren Folgen beseitigt waren.

Nach einer Studie aus dem Jahr 2015 entstanden nach dem Erdbeben in Japan 60% der Belastungen für die Wirtschaft außerhalb des Landes, alleine 25% in den USA.

Der Internationale Währungsfonds hat schon einmal auf die Gefahr insbesondere bei so genannten Risiko-Importen hingewiesen, etwa komplexe Maschinen, Fahrzeugteile, Festplatten oder bestimmte elektrische Geräte. Diese sind besonders anfällig für Produktionsunterbrechungen. Ganz allgemein gilt: Für jedes 1% mehr an Risiko-Waren, die ein Importeur aus einem Land bezieht, das von einer Naturkatastrophe heimgesucht wird, fallen die eigenen Exporte des Importeurs im selben Jahr um 0,7%.

Volkswirte weltweit versuchen seit Langem zu berechnen, wie stark eine Delle in China die weltweite Produktion beeinträchtigen könnte. Diese Analysen betrachten aber meist nur die Auswirkungen einer Nachfragedelle und lassen Störungen der Lieferketten außen vor.

Die aktuellen Produktionsunterbrechungen im Reich der Mitte gehen weit über das hinaus, was die Überschwemmungen in Thailand, die Erdbeben in Japan oder der Sars-Ausbruch angerichtet haben. Chinas Industrie ist so wichtig, dass die Hersteller weltweit vor einem noch nie dagewesenen Dilemma stehen, dabei beginnen die Fabrikstillegungen im Land erst. Die Folgen werden noch jahrelang zu spüren sein.

Mike Bird

www.maerkte-weltweit.de

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