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14.04.2011 18:45

Auch die Halbleiterindustrie leidet unter Erdbeben-Folgen

Wichtige Produktionsstätten sind beschädigt / Nur schleppender Wiederaufbau / Von Detlef Rehn

TOKIO (NfA/gtai)--Auch vier Wochen nach dem verheerenden Erdbeben, das den Nordosten Japans erschüttert hat, erscheint vor allem die Lage in der Halbleiterindustrie prekär. Der Wiederaufbau ist zwar in Gang gekommen, doch bis der Zustand von vor der Katastrophe wieder erreicht ist, werden noch Monate verstreichen. Angesichts des kommenden heißen Sommers bereiten mögliche Stromabschaltungen und verordnete Sparmaßnahmen durch die Regierung den Unternehmen schon jetzt große Sorgen.

Japans Halbleiterindustrie steht vor schwierigen Monaten. Das verheerende Erdbeben und der Tsunami haben wichtige Produktionsstätten beschädigt. Dies gilt besonders für die Präfekturen Ibaraki und Fukushima. Dort befindet sich eine Reihe von Werken, die für einen erheblichen Teil der Weltmarktversorgung aufkommen. Bis sie wieder in vollem Umfang einsatzfähig sind, dürfte noch Zeit verstreichen. Der japanische Zentralbankgouverneur Shirakawa rechnet damit, dass die Lieferketten von Komponenten und Teilen erst im kommenden Juni oder Juli wieder aufgebaut sind.

Gegenwärtig konzentrieren sich die betroffenen Halbleiterunternehmen darauf, die durch das Erdbeben oder den Tsunami hervorgerufenen Schäden zu beseitigen, so dass so rasch wie möglich die Produktion zumindest teilweise wieder aufgenommen werden kann. Wie aus täglichen Berichten in Wirtschaftszeitungen wie der "Nikkei Business Daily" und Pressemeldungen der einzelnen Hersteller hervorgeht, gibt es bei diesen Bemühungen durchaus Erfolge. Es wird aber auch deutlich, wie schwierig sich in anderen Fällen der Wiederaufbau gestaltet.

Die Firma Shin-Etsu Chemical zum Beispiel produziert in ihrer Halbleiterfabrik in Shirokawa (Präfektur Fukushima) 300-mm-Siliziumwafer und deckt etwa ein Fünftel des Weltmarktes ab. Nach eigenen Aussagen wurden Werk und Ausrüstungen auf Schäden hin überprüft. Dennoch sei unklar, wie lange die Reparaturen dauern. Bis dahin werden Produktionsaufträge auf andere Werke der Halbleitergruppe von Shin-Etsu übertragen.

Renesas Electronics ist weiter dabei, im Werk Hitachinaka (Präfektur Ibaraki) die Produktionsausrüstungen sowohl für 200-mm- als auch für 300-mm-Wafer zu reparieren. Ziel ist, ab dem kommenden Juli wieder in begrenztem Umfang zu produzieren.

Electrotechno, ein Tochterunternehmen von Mitsubishi Gas Chemical, stellt im Bezirk Nishishirakawa (Präfektur Fukushima) BT-Laminate für Halbleiter-Packaging-Substrate her. Ursprünglich sollte Anfang April die reguläre Produktion wieder starten; nach der letzten Presseerklärung soll es jetzt Anfang Mai werden. Zudem heißt es, dass Schwierigkeiten bei der Beschaffung notwendiger Materialien sowie eine eingeschränkte Stromversorgung diesen Zeitplan in Frage stellen könnten.

Neben den unmittelbaren vom Beben verursachten Schäden ist die für den Sommer in Nordjapan zu erwartende Stromknappheit das größte Problem für die Branche. Allein bei der Tokyo Electric Power Co (Tepco), die den Großraum Tokio einschließlich der Präfektur Ibaraki mit Strom versorgt, wird die Angebotslücke je nach Temperaturanstieg auf bis zu 15 GW beziffert. Vor diesem Hintergrund drängt die japanische Regierung darauf, dass auch die Wirtschaft ihre Elektrizitätsnachfrage erheblich drosselt. Im Gespräch sind nach Presseberichten bei Großunternehmen Einsparungen von bis zu 25%.

Nach einem "Nikkei"-Bericht erwägen Renesas, Toshiba und andere Halbleiterunternehmen angesichts dieser Aussichten, ihre Produktion zu verlagern oder auf andere Hersteller zu übertragen. Demnach verhandle Renesas gegenwärtig mit der US-Halbleiterfirma Globalfoundries über die Auftragsfertigung von Microcontrollern für die Kfz-Industrie. Außerdem sollen Produktionsaufgaben an Renesas-Werke in Kumamoto und Ehime vergeben werden, wo ebenfalls Microcontroller gefertigt werden.

Toshiba andererseits beabsichtigt, ab dem Sommer Teile der Produktion von Iwate im Norden nach Westjapan zu verlagern. So sollen zum Beispiel Leistungshalbleiter in der Präfektur Ishikawa produziert werden.

Japan betrachtet den langsamen Wiederaufbau der Halbleiterproduktion im Norden mit großer Sorge. Die Branche ist für das Land nicht nur in technologischer, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht ein Schlüsselsektor. Halbleiter stellten 2010 mehr als 6% der japanischen Gesamtexporte; absolut waren dies 4,15 Bill JPY (34 Mrd EUR).

Auch weltwirtschaftlich sind die Entwicklungen in Japan von größter Bedeutung. Denn vor allem bei Halbleitermaterialien hängen viele ausländische Hersteller stark von japanischen Zulieferungen ab. Lagerbestände helfen, die Nachfrage der nächsten Monate zu überbrücken. Doch dauert die Knappheit länger an, wird es kritisch. Nicht ohne Grund bezeichnet die US-Marktforschungsfirma IHS iSuppli das Beben in Japan als "die größte Störung der Lieferketten in der Unterhaltungselektronik, die es je gegeben hat."

D.R./NfA/14.4.2011

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